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Alles mit großer Geduld, - obwohl die Krankheit eine sehr peinliche sein muß. - Über mich, war förmliche Quarantaine verhängt, - alle Bekannten mieden mein Haus, - ich durfte zu Niemand, - u. führte ein sehr tristes Leben; - gottlob ging die Sache doch rascher vorüber als man anfangs glaubte, - u. ließ sehr wenig äußerliche Spuren bei Robert zurück u. körperlich fühlte er sich nun der Giftstoff heraußen, besser wie seit lange. - Auch meine Schwiegermutter ist seit 3 Wochen krank in Folge eines Falles aus einer Droschke, der eine leichte Gehirnerschütterung nach sich zog die bei einer älteren Frau immer besorgnißerregend ist. - Zu all' dem Leid nun uns kam auch noch die Nachricht, daß Richard eine heftige Unterleibsentzündung habe, - die ihn Wochenlang an's Bett fesselte, - [insertion] doch [/insertion] auch er ist nun wieder auf, - u. darf das schöne Frühlingswetter zu kleinen Spazirgängen benutzen. - Ich war wenig gestimmt unter diesen Umständen Briefe zu schreiben, - darum lieber Heinrich sage ich Dir auch heute erst meinen u. Robert's besten Dank, - für den großen Beitrag zu unsrer Wohnungsmiethe, der uns wieder einer auf uns lastenden Sorge enthob. - Wie [insertion] Du [/insertion] aus der beiliegenden Nota ersiehst ergab der Wechsel 210 fl 16 kr es blieb also ein Rest von 10 fl 16 kr für die Manz'sche Rechnung; dieselbe, betrug nun wie Dir wohl Tante schon geschrieben hat 20 fl 45 kr - u. hat den Mehrbetrag als obige 10 fl 16 kr Tante vorgestreckt, - sohin Du dieser 10 fl 29 kr schuldest. - Tante nun trägt mir
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auf Dir zu sagen, - daß sie den Wechsel auf 785 frcs richtig erhielt, - u. lege ich auch die betreffende Nota bei; sie sagt sie wisse nun nicht habe sie mehr empfangen als ihr gebühre oder nicht, - Du möchtest ihr doch im nächsten Briefe sagen, - wie es sich damit verhalte, - ob sie Dir nun oder Du ihr was schuldest. -
Hast Du nun wohl die Manz'schen Bücher u. Karten erhalten? Zu der bestimmten Zeit, ließ ich sie durch Manz an das Consulat nach Frankfurt schicken, ein paar Tage darauf kam von dort die Nachricht sie hätten keinen Auftrag, für Dich etwas in Empfang zu nehmen; - [insertion] u. wolle man die Sachen zurück schicken [/insertion] ich bat nun Manz wieder zu schreiben, - man möge sie liegen ließen, - bis Ordre käme, - seitdem hörte ich nun nichts mehr.
So sehr erfreulich stets die Nachrichten über Fanny 's u. Helenchens Befinden lauten, so betrübt es uns doch recht, daß Du lieber Bruder wieder so von Kopfschmerz heimgesucht bist; bitte, arbeite nicht zu viel, - strenge Dich nicht so an, - wir sehen ja hier, wie gut Dir Ruhe thut, - u. die bessere, beständigre Jahreszeit, - wirkt gewiß lindernd auf Dich ein. - Die Photographie von Fanny als Kind; die Du mir neulich schicktest, ist herzig nett, - u. ist nur zu wünschen, daß Helenchen, - sich ebenso auswächst. -
Die verschiedenen Krankheiten in der Familie abgerechnet blieb sonst, seit ich Dir zuletzt schrieb, alles im alten Geleise; Robert 's Bruder Oscar u. Emil sind nun in Augsburg in Garnison, - u. kommen alle paar Wochen mal flüchtig zum Besuche hierher. - Ich bringe viel Zeit bei Tante zu,
