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München d. 22/2. 69.
Mein lieber Bruder!
Ausnahmsweise lange, sind wir dieses Mal ohne Nachrichten von Euch, - u. hoffen täglich, daß die Post uns Kunde von den fernen Lieben bringen mögte, - doch bis jetzt, - harrten wir vergebens. - Hoffentlich, - ist es nichts Schlimmes was dieses Schweigen Deinerseits veranlaßte, - u. trägt vielleicht nur Deine Reise, - die sich mehr in die Länge zog die Schuld daran. - Dein letzter Brief ist vom 5ten Januar, du hattest damals noch nicht unsre vor [insertion] den [/insertion] Weihnachtsfeiertagen geschriebenen Briefe, u. Robert's möglichst genaue Zeichnung von Tante's Wohnung. - Seitdem nun hat Dir Tante wieder geschrieben, - u. Dir [insertion] wohl [/insertion] gesagt, - daß sie recht unwohl war; einige Tage, sorgte ich mich sehr um sie, - wohl in Folge einer sich am offenen Fenster geholten Erkältung, - bekam sie starkes Halsweh u. Fieber, u. mußte 8 Tage zu Bette liegen, gottlob, half ihr Dktr. Lotzbeck doch bald wieder auf die Beine, u. sie ist jetzt wieder so wohlauf, u. durch Richard's Besuch so heiter angeregt, - daß sie in den letzten 8 Tagen, wo wir hier herrliches Frühlingswetter hatten, - mit uns u. den 2 Hunden fleißig spaziren gefahren, hat sogar einen Besuch bei Frida Heintz gemacht. -
Daß ich ihr natürlich sehr viel Zeit widme, - u. sie in ihrem
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uns die so gütig versprochene Zulage zu unsrer Wohnungsmiethe, uns doch bis gegen den 18ten April zukommen zu lassen; am 22ten ist das Ziel u. fällt in diesen schlimmen Monat auch die Steuer- zahlung, - so daß ein verspätetes Eintreffen Deiner Hülfe uns große Verlegenheiten bereiten könnte. -
Glaube mir lieber Bruder, - ich bettle nicht gern, - doch wüßte ich wirklich nicht [insertion] wie [/insertion] fortbestehen ohne Deine gütige Vorsorge; - möge der Himmel Dir's lohnen; unser theurer Vater der herabsieht, - wie Du Dich seiner verwöhnten Kinder annimmst wird Dich segnen. -
Nun Richard fort ist, - wird unser gewohntes Leben, wieder beginnen, - ich werde wieder meist bei Tante sein, u. auch wieder meine Bekannten u. Freunde mehr sehen, die ich in letzter Zeit ziemlich vernachläßigte; so viel ich aber weiß, ist hier u. in der Pfalz alles wohlauf; nur von Kissel's hat Tante keine sehr erfreulichen Nachrichten; Max soll zwar wieder außer Gefahr, aber immerhin körperlich sehr elend sein, - u. der Vater Kissel soll sehr gedrückter Stimmung sein, woraus man schließt, daß auch die Geld- verhältniße wieder auf unseren Füßen stehen. Hr. v. Esebeck, war auf den Tod erkrankt, - ist jedoch wie mir ein gestriger Brief [?'s] sagte, - die gleich auf die Hiobsbotschaft hin, von Frankfurt nach Zweibrücken eilte
