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Rahmkanne, - u. verschiedene Arbeiten meiner Hände, die ihr nöthig waren. - Auch Frida, hat Tante, reizende Arbeiten gemacht. - Ich hatte Robert, den neuen Helm geschenkt, - 1 paar Stallhalfter, eine Mappe u. Visitenkarten. Von Tante erhielt er 6 Flaschen Champagner. - Richard, schenkte mir ein grauseidenes Kleid, - Tante 50 fl, - von Robert erhielt ich 2 Dutzend Crystallgläser u. 3 Caraffen dazu, so wie eine sehr schöne Bluse. - Ich würde überaus reich beschenkt, - u. ist es mir nun möglich der Lust in der Carneval 1 oder den andren Ball mit zu machen zu fröhnen, - da ich mir von dem mir geschenkten Gelde die Toilette bestreiten kann. - Und meine Gesundheit ist gottlob so ordentlich im Stande, - daß ich mir schon was zutrauen darf. - Das erste Neujahr, so lange ich denken kann, - ohne Doktor-Rechnung, - das ist eine große Beruhigung, - u. ich denke so soll es auch fort bleiben. - den gestrigen Sylvester- abend, haben wir wieder ganz stille bei Tante verbracht, - u. auch heute Abend, werden wir dort sein; - Tante fühlt sich immer behaglicher in ihrer Wohnung m - u. der äußerst milde Winter den wir bis jetzt hatten, - kommt ihr darin sehr zu Statten, denn sie braucht sehr wenig zu heizen, - was bei dem theuren Brennmaterial hier, von großem Belange ist. - Im November, hatten wir Schnee u. Eis, - doch seit dem 20ten jenes Monats bis heute, - ganz mildes Wetter,- sehr viel Regen, ein Schmutz in den Straßen der fabelhaft ist, - doch die Luft sehr angenehm, - ganz, als wäre man in einem südlichen Clima. Mitte November kam Emil von Würzburg hierher zum Besuche, u. haben wir Beide uns sehr aneinander attachirt, - u. sehr angenehme Tage
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zusammen verbracht; - in kurzer Zeit wird Emil ganz hierher kommen, - da er eine sehr gute Prüfung für den Generalstab machte, und als 3ter Xylander, nun diesem zugetheilt werden soll. - Ich freue mich sehr ob seiner Übersidelung hierher, - da er ein zu netter Mensch ist. Seit einigen Wochen ist er verlobt, mit einer Engländerin die seit Jahren mit ihrer Familie in Nürnberg lebt, - u. für die er schon lange Interesse fühlt; sie ist der Photographie nach wunderschön heißt Rosa Logan, - eine ganze Welddame, nach allem was ich höre, u. Emil schrecklich in sie verliebt. - Wann sie heirathen ist noch ungewiß. - Auch Graf Tattenback, bat mich Euch mit- zutheilen, daß er sich am Chrystabend verlobt hat, mit der 21jährigen Gräfin, Mathilde Rechberg; - obwohl die Braut keine [insertion] äußere [/insertion] Schönheit besitzt als den Reiz der Jugend, ist Tattenback doch sehr glücklich, - da sie ein vortrefflich erzogenes Mädchen ist, - u. aus einer Familie die ob ihres schönen Zusammenlebens hier überall als Muster dient. -
Im August, wird seine Hochzeit sein; ich sehe ihn natürlich nun viel weniger da er all' seine freie Zeit, der Braut widmet. - Ferdinand Petri, hat mich nun endlich vor einigen Wochen besucht, ohne mich zu treffen, - ich will ihn nun ein Mal zu Tische einladen. - Rittmeister Schulze mit Familie u. Marie Esebek, leben [?] diesen Winter in Frankfurt im Brüssler Hof; - bis Ostern, wollen sie dort bleiben, - dann einige Wochen nach Zweibrücken gehen, - dann für den ganzen Sommer, sich am Starnberger See niederlaßen, - u. wo sie nächsten Herbst ihren ständigen Wohnsitz aufschlagen, wissen sie jetzt selbst noch nicht. - Mein Schwager Oscar, hat seit 14 Tagen, einen 3ten Sohn, Gustl gebar in Zeit von 11 Monaten - 2 Kinder, - sieht aber auch elend aus.
[postscript, margin] Gerade am Schluße meines Briefes kam der Deine an Richard den ich ihm nun morgen zu schicken werde; ich [bräuchte?] gleich die neue Adresse. [/postscript, margin]
