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München, d. 1/1 69.
Mein theurer Bruder!
Den ersten Tag im neuen Jahre will ich benützen um Dir vor Allem für Deine mir wieder bewiesene große Güte zu danken; durch das beträchtliche Geldgeschenk, - hast Du mir eine große Erleichterung gewährt, - in dem Du mich in den Stand gesetzt, - meine Toilette wieder sehr aufzufrischen, u. Andren zu Weihnachten Freude zu bereiten. - Namentlich mein Mann, hatte durch neue, im Generalstab eingeführte Kopfbedeckung, - Helm, - statt des Hutes, - etc., wieder manch unvorhergesehene Ausgabe, - die ich ihm dann durch Deine Hülfe mit tragen helfen konnte. - Weihnachten, das Christfest, selbst, feierten wir natürlich wieder bei Tante; die Hoffnung Richard hier zu haben, wurde leider wieder vereitelt, da er durch Unwohlsein, wie er schreibt, abgehalten war; - daß trübte uns das Christfest, u. um nicht die Lücken die in unserm Familienkreise bestehen, gar so schmerzlich zu empfinden, - hatten wir Frida mit [?] zu kommen gebeten, - u. Erstere mit ihrem unverwüstlichen Humor, - belebte uns alle so, - daß wir bis gegen 11 Uhr sehr vergnügt zusammen waren. - Tante, war durch ihre Geschenke scheinbar sehr erfreut; Richard hatte ihr Rohrstühle, u. einen Überzug über einen älteren Fauteuil geschenkt, - von uns bekam sie, - ein bronzenes Regenschirmgestell, - 1 Thee[?],
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Robert, war nicht sehr angenehm überrascht, - bei seinem kleinen Neffen Pathenstelle vertreten zu müssen, - u. war sehr froh als der förmliche Akt glücklich vorüber war. - Meiner Schwägerin Anna u. ihrem Töchterchen geht es gut, wie überhaupt der ganzen Familie Xylander. Du hast mich mit dem Auftrage an "Manz" in eine hübsche Verlegenheit gebracht, - in dem vorletzten Briefe, in dem Du schreibst, "trage beiliegenden Zettel zu Manz", lag ein gedruckter englischer Zettel, - natürlich mußte ich glauben, - der sei's ich selbst u. auch Robert kennen ja nicht englisch; ich trug ihn also hin, - worauf Herr Manz mir ihn lachend übersetzte; - es war das eine Warnung an das Publikum sich bei den Vorlesungen ruhiger zu verhalten oder was dgl; - beschämt ging ich von dannen, - Du hattest offenbar aus Versehen, diesen Zettel vom Schreibtische erwischt, - statt des andren; gestern nun trug ich den richtigen zu Manz, worauf der 2 Bände sandte, betitelt [crossed out] Kämpfe des Österreichischen [?] [/crossed out] [insertion] Kämpfe [/insertion] im Jahre 1866", - u. die Rechnung im Betrage von 9 fl 36 kr, liegt bei. - Was soll nun mit den Büchern geschehen? Du sagst darüber nichts. - Die guten Nachrichten von Euch, beglücken uns immer sehr, - u. namentlich, daß es Dir so gut geht, u. Du in Deiner neuen Stellung so zufrieden bist; u. die Aussicht Dich in nicht gar ferner Zeit wieder zu sehen ist gar freundlich. - Wird denn dann Fanny u. die aller Kleinste mit kommen? Ihr schreibt so wenig von Mr. Frank, was treibt der denn, - was macht seine Liebe? - Die Bekannten fragen immer sehr nach Euch, - u. namentlich Frida hat das lebhafteste Interesse; - sie mußte Robert, Fanny's englischen Satz übersetzen. - Von ihm u. mir Euch u. Euren lieben Angehörigen nur Alles Schöne; unsere Gedanken sind viel bei Euch, u. senden wir Euch für das Jahr 69 die wärmsten Wünsche, daß Euer Glück u. Wohlleben so fort gedeihen möge. - Dir, Fanny u. der kleinen Nichte herzlichen Kuß, u. noch mehr herzlichen Dank für Deine große Güte, von Deiner Emma.
[postscript, page 1, written upside down] Die Photographien Helenchens, - sind für ein so kleines Ding, sehr gut aus- gefallen, - u. geben einen Begriff, von der Größe ihrer Augen, - ich denke in einiger Zeit, laßt Ihr sie wieder machen, - u. schickt uns dann wieder Proben.
Alle weitren Nachrichten, namentlich von der Pfalz, wird Euch Tante zu Wissen thun. Laßt bald wieder von Euch hören. - Richard hat uns Hoffnung gemacht ihn noch im Januar hier zu sehen. [/postscript, page 1, written upside down]
