http://germanletters.org/plugins/Dropbox/files/Villard_0062_0001.jpg - image of
« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
You don't have permission to transcribe this page.
Current Page Transcription
[page 1, right hand side]
München, d. 17/12. 67 Abends -
Mein lieber Bruder!
Soeben komme ich, nach verbrachtem Nachmittage bei Tante, - wo ich noch Frau Bauer, Frida, u. Frau Hagemann traf, - heim, - u. will nun noch die Zeit bis zum Schlafengehen mit Dir verplaudern. - Lieber, thäte ich das freilich mündlich, - man drückt doch nicht so leicht mit der Feder das aus, - was der Mund so fließend spricht, - u. hat sich auch gerade nichts Bemerkenswerthes in unserm ziemlich eintönigen Leben ereignet, - so giebt es doch vieles was sich mündlich so leicht sagt, - auf dem Papier, - so nichts sagend erscheint, - so schwer sich wiedergeben läßt. - Vor allen Dingen nun, von Tante die schönsten Grüße, - es geht ihr immer ziemlich gleich, - nicht besser u. nicht schlimmer, - doch finde ich ihre Stimmung viel gehobener, - u. Ihren Fuß jedenfalls um ein bedeutendes besser als im Frühjahr, - wenn sie das auch gar nicht recht zugeben will. -
Sie wird Euch auch jedenfalls dieser Tage schreiben, - hat sich sehr über die guten Nachrichten von Euch gefreut, - verschob nur dieses Euch selbst zu sagen, - da sie ihren Zeilen gleich das Christkindchen für Euch beilegen wollte; damit nun geht es schlecht, - das Hauptgeschenk, - trotzdem schon längst bestellt, - wird erst Donnerstag fertig, - könnte dann Freitag auf die Mauth u. Post, - so daß Ihr es hoffentlich am Christabend doch noch habt; - denn gewiß feiert
[page 4, left hand side]
Christkindchen von Fanny zu kaufen, - wirst Du sie sehr glücklich machen. - Ihre höchste Idee ist natürlich ein eiserner Blumentisch, - sie faselt täglich davon; Tante nun will Frida auch etwas schenken, - u. da ein solcher Blumentisch 12 fl kostet, - wollt Ihr, - so meint Tante, - Euch darein theilen, - u. habe ich deßhalb heute einen solchen aquirirt, - also Dein Theil macht 6 fl. - Ferner, - bekommt also Tante von Dir die Bronze Uhr; die 34 fl kostet u. will ich sehen, - daß ich noch etwas von Fanny Besonders im Werth von höchstens 6 fl finde; - Die letzten Tage, war das Wetter zu schlecht zum Ausgehen in die Läden, - deßhalb kann ich Dir noch nicht sagen, - ob u. was ich aquirirt. - Die Rechnungen für das Grab unsrer theuren Eltern, - habe ich inzwischen auch bekommen, - u. betrug die, - für die Inschrift auf den Grabstein 5 fl. - die für den Gärtner des ganzen Jahr hindurch u. das Schmücken des Grabes an Allerheiligen zu 15 fl. -
Emil, - hat nun von Würzburg, - in Deinem Auftrag 18 fl 12 kr hierher geschickt, - ich bezahlte damit die Rechnungen, - das wenig Fehlende, - wirst Du mir erlauben beizutragen u. wäre somit [underlined] das [/underlined] verrechnet. - Anbei, - wirst Du den Abriß eines Briefes von Julius den ich vor 10 Tagen erhielt, - finden. -
