http://germanletters.org/plugins/Dropbox/files/Villard_0010_0002.jpg - image of
« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
Current Page Transcription
[page 2, left-hand side of sheet 2:]
felhaft. Der alte Theodor Krafft hatte schon vor 27 Jahren auf die Anfragen des + Architekten Peter Engelmann in Kreuznach nicht reagiert, und drum ist seine Nachkommen= schaft schon auf dem Engelmannschen Stammbaum lücken= haft verzeichnet: es war also kaum zu erwarten, daß einer seiner Söhne oder Enkel sich jetzt im Familieninteresse etwas Mühe geben würde. Die übrigen Angaben sind durchweg so authentisch als möglich; eine gewisse Inconsequenz im Setzen oder Weglassen von Daten ergab sich aus der mehr oder minder eingehenden Art, wie die einzelnen meine Fragen beantworteten. Ich habe an alle in Deutschland befindlichen Mitglieder der Familie Exemplare versandt, auch an Popp und Xylander, obgleich ich deren genauere Adresse in München nicht weiß, habe aber noch eine Anzahl Exem= plare auf Lager für etwaige weitere Wünsche. Nach Ame= rika habe ich dagegen gar keine Einzelexemplare geschickt, da ich von den dortigen kaum ein oder die andere genauere Adresse habe.
Uns geht es - unberufen - ganz leidlich, nur Meta kann die Nachwehen eines vor Jahren überstandenen Gelenkrheumas nicht recht los werden. Vielleicht schafft das neue Jahr=
[page 3, right-hand side of sheet 2:]
hundert - bei uns beginnt es nämlich (auf allerhöchste An= ordnung: und Du weißt, seine Meinung präcisiert er gelegentlich mit "sic volo, sic jubeo") - mit 1/1 1900 - auch hierin Wandel; erwartet man ja doch von dem kommenden Jahr allemal das, was das scheidende noch nicht gebracht hat. Und es ist ja auch das reine Glück, daß einem immer noch etwas zu erhoffen und zu wünschen übrig bleibt. Ich bin allerdings persönlich mit meinen dienstlichen Verhält= nissen durchaus zufrieden, auch unter der neuen Gym= nasialdirektion (da Uhlig seit diesem Herbst zurückge= treten ist), und habe gar nicht das Bedürfnis, Heidelberg mit einem kleineren badischen Nest zu vertauschen, selbst wenn damit eine äußerliche Beförderung verbunden wäre, zumal da mir meine hiesige Stellung Zeit läßt und die Möglichkeit gewährt, meinen litterarischen Neigungen nachzugehen. Hoffentlich trittst Du mit Deiner Familie das neue Jahr in Gesundheit und, soweit die ja zum Teil nicht ganz erfreulichen allgemeinen Verhältnisse es gestatten, auch in freudiger Stimmung an: Deine Hele= ne, die bei ihrem letzten Aufenthalt im letzten Spätsommer hier vorzüglich aussah, schreibt an meine Schwester ja in
