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Meine liebste Charlotte !
Wie ich hoffe ist mein Brief von Anfang dieses Jahres richtig in deine Hände
gekommen, u wie ich dir schon damals schrieb erhälst Du diesen durch den jungen
Hassel aus Augsburg; den seine Mutter bis Haver begleitet; vielleicht wenn
Georg Hassel nicht in deine Nähe kommt, kommen Dir diese Zeilen durch die
Post zu.- Seit wir uns nicht mehr mit einander unterhielten ist
wohl das bedeutendste Ereigniß das uns beide gleich intressiert Tritschlers
Begnadigung. Du wirst es Deiner l. Babette gewiß gönnen wenn
sie wieder in die alte Heimath zurücken kann, nachdem ihr die
Fremde so mancher Sorge u Noth bereitet, auf der andern Seite wird
es Dir gewiß auch schwer fallen, wenn ihr schon nicht sehr oft zu
sammen kommet, eine Seele zu vermißen an die Dich ein Band des
Blutes knüpft, u es kommt mir der Gedanke ob die Wanderlust nicht
auch Dich beschleichen werde, wohl weiß daß Du einen lieben Gemahl
hast, und mit ihm aufs innigste verbunden bist, aber Deutschland ist
ja auch Deine Heimath; Wie ich hoffe bist Du mit den lieben Deinigen
gesund geblieben, es verlangt mich recht nach einem Brief von
Dir, wie werden deine Kinderchen wohl in dieser Zeit gewachsen sein?
Und Alexander wird recht gelernt haben? Und eine Magd hast Du
wohl immer noch nicht? Und das Geschäft geht wohl gut? Sieh so habe
ich noch viele Fragen auf dem Herzen die ich mich recht freue
von Babette beantwortet zu bekommen ?-
Und wie geht es Euch drüben in der alten Heimath? höre ich Dich
jetzt fragen;? darauf kann ich Dir verschieden antworten; Ich
will zuerst sagen gut mit Gottes Hilfe; es könnte wenigstens viel viel
schlimmer sein? recht entmuthigend ist es freilich auf der anderen Seite
wenn man sein ganzes Leben lang eine so gesunde Auguste
gewesen ist, daß man kaum wußte was Unwohlsein heißt, u
nun auf einmal einen heisern u geschwollenen Hals bekommt
an dem ich nun fast 4 Monate zu leiden habe, u in dieser
Zeit wenig aus dem Zimmer gekommen bin; manchmal auch
das Bett hüten mußte; aber gottlob die Mutter hatte einen
