Dorothea Schuhmacher to Gottfried Handel, May 1, 1872 [1 of 2], p. 1 - image of
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Rome den 1sten Mai, 1872
Liebe Vater und Großvatter,
Dein schon so lange ersehntes Schreiben ist endlich eingetroffen und hat mir die traurige Nachricht gebracht daß Vetter Ludwig seine zwei Söhne verlohren hat und er selbst auch gestorben so bleibst Du und deine 2 Schwestern noch übrig in Nürtingen.
Es thut mir leid daß Konrad Walz gestorben ist auch Hörd. Wir haben Konrad bevollmӓchtig für dich zu sorgen - wie für seinen eigenen Vater, und alles was du brauchst zu geben.
Er hat geschrieben daß du den Acker im Halberg verkauft und deine Zahlung für Noten und Dokter, Apotheke und Haußschuld abtragen willst. Zweitens hat er geschrieben daß Du den Haußraht versteigerst und behaltest, nur was du brauchst und hat geschrieben er hilft dir wo er kann und sorgt so gut wie möglich daß alles recht wird.
Aber zu meinem und Peters Schrecken hat niemand für dich gesorgt; dich beschützt und dir mit Rath und That in die Hand gegangen - pfui der Schande - dich jedem Schicksal preisgeben -
Ich hab Hoffnung auf Konrad gehegt als einen Bruder für dich zu sorgen: ich und der Peter hätten nicht gefragt darnach was du gebraucht hättest, wenn du nur keine Not und kein Jammer gehabt hättest -
Ich hab auch nicht gefragt was mir zugefallen ist in den Theilung - ich wollte daß du unumschrӓnkter Herr über alles bist wie vorher auch -
