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Oberpreuschwitz den 22t. Mai 1879. Inigstgeliebter [sic] Sohn und Bruder! Tiefgerührt im Herzen und brünstiger Liebe ergreifen wir die Feder dir due erwartete Nachricht zu schicken. Es sind bereits drei Wochen verflossen daß wir deinen Brief erhalten haben. Obwohl wir mit größter Bereitwilligkeit gesinnt waren dich in der Ferne mit ein baar [sic] Zeilen aufzusuchen, war es aber nicht möglich, denn wir hatten keine Nachricht von einer bleibenden Stelle. Erst am Montag den 16ten d. M. ist uns (in der Nachricht von Johann Schmidt) der Ort deines Aufenthaltes kund geworden; wir beeilen uns destomehr dir mit einer Antwort zu ent- gegnen. Mit größter Freude, daß du gesund an Land bist, haben wir deinen Brief empfangen war aber doch vielmehr rührend für uns, wenn wir dachten deines Scheidens, auch wohl deiner Krankheit auf der tiefen See, wie du uns mittheilest, daß du dich nach einem Bett sehntest, welches manches fühlbare Herz sehr betrübte. Geliebter Sohn und Bruder, wenn wir gedenken der letzten Tage, die Du bei uns zugebracht hast, wird wohl ein manches Herze betrübt und manches Auge mit Thränen befeuchtet. Es erinnert uns aber am meisten der Tag des Abscheidens der 21t. März, wo wir nur noch zum letzten mal einander die Hand reichen konnten.
