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Transcribe Page - Gustave Grupe to Marie Grupe, July 7, 1908

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Gustave Grupe to Marie Grupe, July 7, 1908, p. 2 - image of

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[page 2:]

     Von "Koppenbrügge" hat sich wieder Besuch angemeldet. Am 12 Juli

haben wir zu erwarten: eine Frau und drei Junge Männer, auf wie lange, dass wissen wir noch nicht. Ich muss ofen bekennen, die Bekanntschaft von Leuten, welche ich vorher nie gesehen, wäre mir vor Jahrzehnten lieber gewesen als jetzt in meinem Alter, wo man mit dem Abschliessen von neuen Freundschaften u.s.w. wählerischer und vorsichtiger ist. Aber, was soll man thun, man kann doch nicht un- höflich sein, und muss dann noch den Erfreuten und Glücklichen herauskehren. Unter meiner Führung bekommen sie denn auch das Beste einer Grosstadt zu sehen, wie [...] Und sind sie wieder nach ihren heimathlichen Penaten zurückgekehrt, und erhälen dann von allevielen und grossartigen, was sie hier gesehen und erlebt haben, so wer- den sie von ihren nachbarlichen Dorfbewohnern ähnlich angestaunt, wie etwa Kaiser Wilhelm als er kürzlich hier zu besuch kam. O glückliches Koppenbrügge.

  Die Hitze ist hier gegenwärtig sehr gross, in Verbindung mit dem fehlenden

Regen hat es eine große Dürre erzeugt, dass alles ruft nach Regen, Regen, Regen und auch ich als neugebackener Landmann kann mich diesem Ruf nur anschliessen. An- dererseits haben die sonnigen Tage aber auch das Gute, dass sie mehr Leute heraus locken welche dann auch mehr Gefallen am Landleben finden, und darauf hin habe ich diesen Sommer mehr Häuser verkauft, als im letzten; so hat sich denn bei mir das eine durch das andre ganz gut ausgeglichen.

An unserer Michaeliskirche wird fleissig gearbeitet, sie ist kürzlich "gerichtet" also das Dachgebälck im großen und ganzen vollendet worden, der spätere Turmbau wird wohl mehrere Jahre dauern. Nach Euren Begriff, auch im Baufach, geht hier alles mehr "langsam und wiss". Ich will auch unbedingt zugeben, dass ein etwas beschleunigter Tempo, wie im America, hier wohl am Platze wäre. Es werden zwei Strassenseiten von Häusern ganz entfernt, so dass also später der ganze Bau in Mitten eines großen freien Platzes zu stehen kommt, versehen mit schönen gärtnerischen Anlagen, ist dies erst mal alles vollendet, so wird sich das Ganze sehr hübsch präsentieren.

Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einer meiner Lindenlauben still und ruhig, von niemand gestört. Ich beobachte den schönen Sonnenunter- gang. Er veranlass so recht zum Nachdenken. Gegen eine solche Pracht, wie nichtig sind dagegen alle Menschenwerke. In solch einen erhabenen Moment wendet man den Blick unwillkürlich der Vergangenheit zu, und denkt man an die letzten Jahrzehnte, was hat sich da alles verändert, wie so manch liebes ist uns vorangegangen, nach dem weisen Rathschluss eines höheren Wesens. Von allen früheren Verwandten ist mir nur eine alte Tante geblieben, welche sich meiner noch oftmals in Güte erinnert, möge sie mir noch lange, recht lange erhalten bleiben.

Mit dem Hinweis, dass wir uns alle einer recht guten Gesundheit erfreuen, wünsche wird, dass sich Dein Lebensabend zu einem recht ruhigen friedlichen gestalten möge, frei von jeden Kummer, Aerger und seelischen Aufregungen. Empfehle uns bei den jüngeren Verwandten und sei recht herzlich gegrüsst

von Deinem treuen Neffen Gustav Grupe u. Frau.

Nach Paris wollten wir diesen Sommer, aber. Meine Frau ist schwe- rer geworden, die Beine jedoch nicht kräftiger, denn es bringt auch mange An- strengung mit sich, und so fürchte ich, dass wir das Reisen wohl ganz aufgeben müssen. Ich selbst bedaure es, ich wäre gerne hin und wieder noch mal fort gewesen. Nun, es läst sich nicht ändern, von unserm lieblichen Heim werden wir dafür ent- schädigt. Der Garten ist so prächtig angewachsen, und die wunderbar schöne Luft hier, die erhält sie so gut, dass sie sich gar nicht mehr wo anders hin sehnt.

Also nochmals, lebe wohl, denke ab und zu an uns, wie so oft sich Deiner erinnert

Dein treuer Neffe Gustav Grupe


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