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Transcribe Page - Gustave Grupe to Marie Grupe, July 7, 1908

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Gustave Grupe to Marie Grupe, July 7, 1908, p. 1 - image of

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[Briefkopf:] Gustav Grupe Maurermeister Fuhlsbüttelerstrasse No. 599 gegenüber Schmucks Höhe - (Postamt Ohlsdorf) - [rechts oben:] Hamburg, den 7. Juli 1908 Meine liebe gute Tante! Aus Deinem Brief, der uns letzthin in so angenehmer weise überraschte, haben wir ersehen, dass Du gottlob Dich wohl befindest, was bei Deinem Alter gar nicht hoch genug zu bewerten ist. Auch wir sind alle wohlauf. Wie ich Dir bereits geschrieben habe, bin ich jetzt ohne meinen alten Beruf. Wenn man bis zum 60sten Jahr in fleissiger und redlicher weise darin thätig war, und man kann eben so ohne Verdienst fertig werden, so ist es niemand zu verdenken. Da ich nun aber ganz ohne körperliche Arbeit nicht fertig werden kann, so bin ich "Gemüsebauer" geworden. Doch ich glaube ich habe es Dir schon geschrieben. Ich hätte nie geglaubt, dass man in späteren Jahren als Grosstädter noch solche Lust am Landbau finden würde. Ver- stand ich auch zuerst nicht viel davon, so begreift sich das sehr bald, bei gutem Willen und ernsthaften zugreifens. Von dem, was zu Hause gebraucht wird ziehe ich alles selbst. Es ist eine Freude zu sehen, wie alles so prächtig gedeiht. Ausser dem Gemüse, Kartoffeln u.s.w. haben wir auch eine große Obst- plantage, von den 16 Erdbeerbeeten je 60 Fuss lang, erzielten wir letzten Sommer über 150 Pfund. Gegenwärtig sind wir wieder mitten in dieser Ernte, es ist eine herrliche Frucht, schade, dass die Entfernung zwischen uns so weit ist, sonst ..... Kürzlich bin ich auch noch "Geschworner" geworden. Dieses Amt ist mir nun nicht sehr angenehm, gut, dass es diese Woche zu Ende geht. Jeden Morgen muss ich regelmässig zur Stadt, um an der Verurtheilung von unglücklichen Menschen mit zu wirken, was man da alles sieht und hört, ist nicht schön, wenn man auch nicht dümmer dadurch wird, im Gegentheil, der Gesichts- kreis sich dadurch erweitert. - Ueberall in der Stadt, wohin man sich auch wendet, wird "abgebrochen" und zwar so viel, wie selten in den Vorjahren. Es wird eine neue Strasse errichtet, welche den Centralbahnhof verbindet. Die Umgegend vom Schweinemarkt bildet ein weites und wüstes Trümmerfeld. Diese Häuser waren mehrere hundert Jahre alt, deren Verschwinden kein Fehler ist. Abgesehen von praktischen Gründen, woraus ein besserer Verkehr hervorgehen wird, bildet die Gegend in Zukunft eine Zierde, was man vorher nicht behaupten konnte. Auch das finanzielle Resultat für die Stadt wird ein günstiges sein, denn die leeren Plätze werden ebensoviel einbringen, beim Verkauf, als sie vorher mit den alten Häusern gekostet haben. In dieser Beziehung liegt die Sache um den Rathhausmarkt herum nicht so günstig, handelt es sich hier doch um bessere wertvollere Häuser, welche bald nach dem "grossen Feuer" gebaut wurden. Eine weitere Sehenswürdigkeit wird unser Hamburg bald bekommen, es ist dies der neue Elbtunnel, der uns mit Steinwärder verbinden wird. Es handelt sich hier um ein mächtiges und für die Zukunft sehr wichtiges Werk welches viele millionen kosten wird. Auf beiden Seiten ist man schon tüchtig mit den Vorarbeiten beschäftigt. Es war auch hohe Zeit für die Inangriffnahme einer solchen Sache, denn drüben ist ein so grosser Stadttheil und mit seinen bedeu- tenden Schiffsbauwerfen entstanden, dass unsere vielen Ferrybooten den fort- während sich steigernden Verkehr gar nicht mehr bewältigen können.


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