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[roman:] Hamburg, Sept. [/roman] 29. 1858.
Meine liebste Mutter!
Wir kamen am Montag Morgen 10 Uhr wohlbe= halten hier an u. hatten die Reise viel besser überstanden als wir erwarteten. Lilian hat fast die ganze Nacht durch geschlafen u. sich im Wagen wie in den verschiedenen Warte= sälen sehr gut aufgeführt. Ein Glück aber war es daß wir nicht den Montag reisten, wie erst bestimmt war, denn an dem Tage mochte wohl meine Unruhe u. Gemüthsbewegung ihr spürbar werden. Sie hat ent= setzlich geschrien u. Frau Klein hat mir sehr gefehlt, wie vor= auszusehen war. Ich habe indessen Lisbeth mit unablässiger Geduld un= terrichtet u. habe sie doch jetzt schon so weit, daß sie das Kind einzu=
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ich noch nichts wieder von ihr gehört. Lisbeth zeigt sehr guten Willen u. scheint sehr sorgsam mit dem Kinde. Wir haben hier zwei Zimmer neben ein= ander: das eine ist Schlaf= u. Kinderstube u. ist ein Muster von Durcheinander; das zweite benutzen wir als Salon u. des Nachts dient es Lisbeth als Schlafzimmer. Das Wetter ist, wenngleich dann u. wann trübe, doch ruhig u. warm. Hoffentlich wird es so bleiben wenn wir auf das Schiff gehen. Schreibe mir ja sobald als mög= lich, ich werde mit großer Sehn= sucht Briefen von Euch entgegen= sehen. Sorge Dich nicht um uns, wir haben ein großes u. sehr gutes Schiff, einen erfahrenen Kapitän u. allem Anschein nach auch gutes Wetter; mit Lilian gehen wir sehr sorgsam um u. ich selbst fühle mich wohl u. kräftig. Lebewohl, liebste Mutter; Gott behüte Dich u. Euch Alle! Grüße den geliebten Vater, meine gute Ida u. August, wenn er noch in Gotha ist. Die herzlichsten
[margin:] Grüße auch von Bayard. Mit innigster Liebe Deine Tochter Marie. [/margin]
[page 3; margin:] [roman:] [Holzer?] [/roman] trafen wir in Harburg. Er scheint sich vortrefflich zu amüsiren. [/page 3; margin]
