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[roman:] Athen, April [/roman] 16. 1858.
Meine liebe gute Mutter!
Dein Brief kam gestern Morgen so früh=
zeitig daß ich noch zu Bette lag. Er war
deshalb nur um so willkommener, be=
sonders da ich wieder allein bin u.
alsdann Briefe, zumal wenn sie Gutes
enthalten, mir noch einmal so wohl=
thun. Du machst Dir aber meinetwegen
viel zu viel Sorge, liebe Mutter. Das
eine ausgenommen, daß ich nicht viel u.
weit gehen kann, ist mein Befinden
so gut als wie zu wünschen ist, u. an
die zeitweise Einsamkeit habe ich mich
allmählig gewöhnt, so daß sie mir gar
nicht mehr so schwer wird, zumal
die Zeit wo ich Bayard dann wieder
habe mich mit ihrem Glücke jedes Mal
reiflich entschädigt. Es waren 6 schöne
Tage die uns wieder geschenkt wurden,
u. obwohl Bayard vollauf zu schreiben
hatte u. sehr fleißig geschrieben hat, so
haben wir sie doch recht genossen. Am
Dienstag Morgen ritt er bei himmlischen
Wetter wieder mit seiner kleinen
Karawane ab u. mit der tröstlichen
Aussicht daß die jetzige Reise nur 14 Tage
dauern werde. Ich habe es mir zum
Gesetz gemacht wenn ich ihn so fortziehen
sehe weniger an die möglicherweise
ihm begegnenden Gefahren zu denken,
so als mit festem Vertrauen den
Glauben an seine glückliche Rückkehr
festzuhalten. Es ist dies ein so Ver=
