Marie Hansen Taylor to Lina Hansen, April 2, 1858, p. 2 and p. 3 - image of
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[page 2 (sheet 2, left-hand side):]
denke doch wie traurig das wäre! Ich möchte im Gegentheil daß Du recht gesund wärest diesen Som= mer u. wir noch so viel wie möglich von Dir hätten. - Die so viel bessern Nachrichten von Tante [roman:] Anna [/roman] haben mich recht beruhigt u. mir große Freude gemacht - aber ach! - es ist ja höchst wahrscheinlich doch nur eine Frist, die ihr gegeben wird.
Mein Mann ist noch nicht zurück, aber
ich habe gute Nachrichten von ihm. Er
schrieb von [roman:] Kalamata [/roman], dem südlichsten
Punkte seiner Reise, aus u. war über=
aus befriedigt von den zuletzt ver=
lebten Tagen im wildesten, aber
herrlichsten Theile des [roman:] Peloponnes [/roman].
Er sagte: "Wir sind meilenweit durch
Einsamwälder gereist, so groß wie [insertion:] man [/insertion]
sie in Deutschland findet, haben Berge
gesehen die bis zum Gipfel mit grünem
Rasen bedeckt waren, u. Wiesen
die im Feuer von tausenderlei
Blumen brannten. Dann sind wir
drei Tage lang Felsen auf, Felsen
ab geklettert, so daß die Pferde
kaum fort konnten, haben über
ungeheure Klüfte gesetzt u. Abgrün=
de erklimmt. Von [roman:] Kalamata [/roman] an
sind die Wege dann wieder besser,
die Route geht von da die öst westliche
Seite des [roman:] Peloponnes [/roman] hinauf nach
[roman:] Olympia [/roman] u. von da kreuzt sie im
Norden nach [roman:] Corinth [/roman] über. Das Wetter
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sagt Bayard war wahrhaft som=
merlich u. die Nächte selbst
himmlisch warm. Vor Mit=
woch nach Ostern darf ich ihn
indessen nicht zurück erwarten.
Meine Rückenschmerzen sind wieder
besser, ich bin aber sehr schlecht zu Fuße
u. wenn ich mir nicht den Luxus
eines Wagens erlaube, ziehe ich vor
zuhause zu bleiben. [roman:] Mr. [/roman] u. [roman:] Mrs. Hill [/roman]
sind meine treuen Freunde, es
geht selten ein Tag hin ohne daß nicht
eines oder der andere von ihnen nach
mir sieht. Vorgestern Nachmittag
fasste ich Muth u. ging bis zu ihnen,
wo ich zum Essen bleiben musste u.
einen angenehmen Abend mit ihnen
verlebte. Gegen 9 Uhr schickte [roman:] Mr. Hill [/roman]
mich in seinem Wagen nach Hause.
Das Osterfest bringt jetzt große Bewegung
u. viel Leben unter das Volk,
das die den Zeit Endpunkt seiner langen
strengen Fasten kaum erwarten kann,
u. zum Theil schon in der Osternacht,
nach Glockenschlag 12 anfängt das
unentbehrliche Lamm zu rösten u.
zu verzehren. Die kirchlichen Feier=
lichkeiten finden alle des Abends
u. Nachts statt; deshalb werde ich
nichts von ihnen sehen. Heute Abend
wird der Leichnam Christi in [roman:] Effigie [/roman]
ausgestellt u. in [roman:] Procession [/roman] mit [roman:] La=
mento [/roman] durch die Straßen getragen.
Sonntag, oder viel mehr Sonnabend
Mitternacht erhebt sich aber dann
ein um so ausgelassenerer Jubel
