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Athen, März 5. 1858.
Meine liebe gute Mutter!
Da ich rechne daß dieser Brief gerade zu Deine Geburtstag in Deine Hände kommt, so nimm zuerst meine allerherzlichsten Glückwünsche zu diesem Tag, den ich so gerne bei Dir, im lieben Elternhause, verleben möchte. Meine Gedanken werden viel bei Dir sein u. meine Gebete für Dich zum Vater im Himmel aufsteigen, Heil u. Segen für Dich erflehend. Hoffe, geliebte Mutter, auf frohe u. freudige Tage in dem neuen Lebens= jahr, wenn sie auch mit trüben unter= mischt sein müssen - dieses Leben verlangt das einmal so - aber eine rechte Herzens= freude macht vieles Leid wieder gut, u. will's Gott so erfährst Du mehr als eine. Denke in Deiner Einsamkeit an die Zukunft, liebe Mutter, die wieder Leben um Dich herum schaffen wird; in zwei Monaten bin ich schon auf dem Wege zu Dir, u. ich sehe nicht ein warum Emma nicht mit Bayard reisen sollte, wenn sie auch im Nothfall allein zurück müsste; die Reise bis Stettin u. von da nach Petersburg ist leicht zu machen. Nicht jedes mal ist ein stürmisches Wetter, wie Du es getroffen. Besser u. angenehmer wäre es ja freilich wenn Wagner sie abholen könnte u. wünschen möchte ich es ihm auch von Herzen. Linchen's Unwohlsein thut mir sehr leid, doch hat es wohl nichts zu sagen, das kommt bei Kindern ja wohl dann u. wann vor. Emma wird freilich eine schlimme Zeit dadurch haben. - Über [roman:] Encke's [/roman] Gemein= heit u. Gehäßigkeit bin ich ganz indignirt,
