« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
Current Page Transcription
Athen, Febr. 6. 1858.
Meine liebe Mutter!
Vielen Dank dafür daß Du mir so regelmäßig Nachricht zukommen lässt; wenn Du sehen könntest mit welchem Jubel die Briefe jedesmal empfangen werden, Du würdest reichlich an Lohn dafür haben. Allein wenn Dein Kopf Dich so schmerzt oder schwach ist, dann solltest Du lieber Ida oder [roman:] August [/roman] einsetzen u. mir an Deiner statt schreiben lassen - denn entbehren möchte ich keinen Brief vom Hause. Ich bin sehr froh daß Du W. gegen Dein hohes Kopfweh brauchst, u. bitte Dich so sehr ich kann, daß Du darin fortfährst. Die gute Wirkung davon wird kommen, wenn auch nicht gleich. Und wenn der Schmerz Dich überman= nen will, daß Deine Kinder zum Theil so weit von Dir getrennt sind, so denke daran wie glücklich unser Loos gefallen ist, daß Du uns doch noch hast u. gut aufgehoben weißt, u. daß ein zweitweises Wiedersehen immer wieder kommt. Denke jetzt zumal an den Mai - u. es ist nicht lange mehr bis dahin - wo ich wieder nach dem Elternhaus zurück= kehre, um Monatelang dort wieder heimisch zu sein. Auch daß Emma diesen Sommer nach [roman:] Gotha [/roman] kommt, scheint mir wahrscheinlich. Wie sehr wünschte auch ich es. Glaubst Du daß sie sich entschließen könnte ohne Wagner zu reisen? Dadurch würde ihre Reise viel leichter zu bewerkstelligen sein, u. Bayard würde sie u. [roman:] Linchen [/roman] gewiß mit der größten Sorgfalt geleiten.
Das beifolgende Gedicht wird Ida wohl schnell als ihr Eigenthum erkennen. Bayard hat es vorgestern in einer plötzlichen Anwand=
