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Athen, Jan. 30. 1858.
Meine liebe gute Mutter!
Diese Woche ist besonders günstig gewesen
u. hat uns Briefe von allen Seiten her ge=
bracht. Die Gothaer kamen zuerst an u.
wurde, wie immer, höchst freudig begrüßt.
Bayard jubelte über die Zeitungen, nur be=
dauerte er daß Vater sie frankirt hatte.
- Wenn Du Bayard's Brief zuerst ließt,
so wirst Du erfahren haben was ich Dir nicht
länger verschweigen kann, obgleich ich es,
um Dir Sorge zu ersparen die Du Dir
gewiss machen wirst gern nach einiger
Zeit gethan hätte. Ich sehe aber jetzt das
Bedürfniss daß Du u. der Vater unsere
Freude über die Hoffnung die wir hegen dürfen
mit uns theilt u. bitte Dich, Dich nur zu
freuen, u. jedes sorgliche Gefühl so viel als
möglich fern zu halten. Ich selbst bin von der
freudigsten Hoffnung erfüllt u. habe die
feste Zuversicht daß Alles gut gehen wird, u.
überdies sind mir ja die Umstände so günstig,
daß ich im entscheidenden Moment Dich
meine liebe Mutter zur Seite haben werde.
Mein Befinden ist so gut wie es irgend sein
kann, ja ich fühle mich sogar wohler als
ich das ganze vorige Jahr über gewesen bin,
u. meine Stimmung ist die allerglücklichste
- u. wie könnte es auch anders sein?
Bayard ist voll Liebe u. Aufmerksamkeit für
mich, u. die Zukunft verspricht mir ein
noch erhöhtes Maaß unseres gegenseitigen
Glückes. Natürlich werde ich jetzt Bayard
nicht bei seinen Ausflügen nach der Peloponnes,
u. selbst nicht nach Candia u. [roman:] Rhodos [/roman] begleiten
können, da diesselben [sic] mit großen Anstrengun=
