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hörten, unter einem rothsammtenen Baldachin eine Viertelstunde lang dem näselnden Gesang der Priester, den Metropoliten in der Mitte, zu u. begaben sich dann wieder hinweg. Der König hat, als Bayard ihm des Abends vorgestellt wurde, einen guten Eindruck auf letztern gemacht. Er möchte wohl das Gute, kann es aber nicht.
Mein Papier geht jedoch zu Ende, u. ich
habe Dir noch nicht von Bayard's Geburtstag
erzählt, den wir am 11. s in einfacher aber
sehr vergnügter Weise feierten. Um ihm
eine kleine Überraschung zu bereiten, hatte
ich heimlich befohlen daß man unsere Mittags=
mahlzeit (hier Frühstück genannt) auf unserm eigenen
Zimmer uns serviren sollte. Bayard ward ent=
fernt u. mit einem Italienischen Sallat (den ich
selbst gemacht) u. mit einem großen Korb voll Orangen,
Rosen u. sonstigen Blumen u. Blättern, die besten
die in diesem kalten Wetter zu finden waren,
überrascht. Zwischen den Blumen hatte ich einige
Kleinigkeiten versteckt, die ich für ihn kaufte.
Wir hatten ein vortreffliches Frühstück, zu dem
Madam [roman:] Vitalis [/roman] herrlich gebackne deutsche Pfannkuchen
hinzugefügt hatte, u. mein Sallat fand den
allergrößten Beifall. John erklärte, er habe
so etwas Gutes nicht gegessen seit er von [roman:] Gotha [/roman]
weg wäre. Des Nachmittags gingen wir vom
Wetter begünstigt, auf die [roman:] Akropolis [/roman], u. des
Abends tranken wir sehr vergnügt in selbst
gebrautem Punsch das Wohl Bayard's u. aller
Lieben in [roman:] Gotha u. Amerika [/roman]. - Ich hätte noch
vieles hinzuzufügen, habe aber weder Platz,
noch Zeit; das Dampfschiff geht heute u. der Brief
muss fort. Da ich von Euch bis jetzt nicht gehört, so muss
ich mich wieder 8 ganze Tage geduldigen. Die traurige
Nachricht von Tante [roman:] Anna [/roman] hat mich ganz betrübt u. auch
recht hoffnungslos gemacht. Wie ist es nur so schnell wieder
schlimm geworden? Onkel Wilh. Br.'s Krippe [sic] thut mir sehr
leid, für ihn wie für die lieben Tanten; ich wünsche die allerbeste
Besserung, die hoffentlich schon eingetreten, bevor mein Brief ankommt.
Viele herzliche Grüße von mir u. Bayard an den lieben Vater,
die Kinder u. alle lieben Verwandten u. Freunde; vergiss
Tante Bufleb nicht dabei. Hat E. Hölzer jetzt englischen Unterricht?
[margin:] An [roman:] August [/roman] die herzlichsten Glückwünsche zu seinem Geburtstag. Ida schreibe ich nächstens [/margin]
[margin, page 3:] Bayard schickt Dir viele herzliche Grüße, er befindet sich sehr wohl u. in be= [/margin, page 3]
[margin, page 2:] ständig guter Laune. Gott stärke Deine Gesundheit u. behüte Dich, liebste Mutter! Deine Tochter Marie. 16. Jan. 1858. [/margin, page 2]
[margin, page 1:] Das beifolgende Blatt ist auf der höchsten Höhe des [roman:] Parthenon [/roman] gepflückt. [/margin, page 1]
