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Athen, Jan. 4. 1858.
Meine liebe Mutter!
Nach langem vergeblichen [sic], u. theil= weise angstvollen, Warten, erhielt ich endlich gestern Deinen lieben Brief vom 17. Dec. u. danke Dir herzlich dafür. Das neue Jahr ist nun angebrochen u. meine Wünsche sind vielfaltig zu Euch gezogen. Im Ganzen genommen aber war es mir nicht recht ein Neujahr, da wir noch fremd hier sind u. deshalb, zumal da die Griechen es erst später feiern, durch nichts von Außen ser [sic] daran erinnert wurden. Wir wahren [sic] seit einigen Tagen bei Francois Vitalis, Bayard's Dragoman in Klein Asien, u. waren sehr froh unsere jetzigen, ganz nett u. reinlich eingerichteten Zimmer mit dem [?] großen Salon im [roman:] Hôtel d'Orient [/roman] vertauschen zu können, in welchem wir einige Tage lang bei einem eisig wehen= den Nordwind (der sich dann u. wann im Winter hier einstellen soll) ganz jämmer= lich gefroren haben. Das Kaminfeuer welches wir hatten milderte die Temperatur fast gar nicht u. wir hatten keine Wahl zwischen dem Erstarren oder Rösten. Das Haus von Francois ist viel wärmer. Wir bewohnen die Südseite u. haben einen kleinen sehr angenehmen eisernen Ofen. Die Einrichtung im Hause ist die eines [roman:] Hôtel [/roman] garnie: wir kochen des Morgens unseren Kaffee selbst in einer von Wien mitgebrachten Maschine, haben um 12 Uhr ein mit den übrigen Ein= wohnern (an der Zahl etwa 7 - 8) gemeinschaft= liches Frühstück bestehend aus einer warmen Fleischspeise mit Kartoffeln, einer kalten Schüssel u. Omelette. Um 6 Uhr speisen wir wieder gemeinschaftlich zu Mittag, haben Suppe 3 - 4 Gänge u. schönes Dessert aus Südfrüchten bestehend. Madame Vitalis, die
