Theodor Engelmann to Margarethe Hilgard, July 30, 1834, p. 4 - image of
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politisch, oder auch nur dann u. wann mit Lektüre zu befassen; durch sie aber erfahr ich stets, was es in dem einen oder anderen Fache Neues gibt, mit ihnen werden stets Dinge der Art abgehandelt, u. so werde ich durch sie von dem gänzlichen Zurücksinken gesichert. Ihre Gesellschaft ist mir deshalb von großem Werte u. es graut mir vor der Zeit, die sie nicht mehr hier sein werden, Bei Friedrich ausgenommen, der zwar ein etwas eigener, aber sehr biederer Kerl ist, u. sich auch in der Gegend anzukaufen gedenkt, werde ich bei unsern übrigen deutschen Nachbarn keinen Ersatz für Körners u. Georgs Ge- selllschaft finden, falls nicht bei Ledergerber, der, bei all seinen sonstigen guten Eigenschaften, um derentwillen ich ihn recht gut leiden mag, doch aller wissenschaftlichen Bildung fremd ist, so fremd, wie alle andern Nachbarn, die ich sehr selten sehe. Jetzt, da die dringendsten Arbeiten beseitigt sind, hoffe ich, wieder eine leichte englische Lektüre hervorsuchen, u. zuweilen auch wieder einige Stunden zur Jagd verwenden zu können, welches beides das ganze Frühjahr u. den ganzen Sommer hindurch in Vergessenheit gesunken war; erster höchst nothwendig, das andere, wie dir be- kannt ist, meine Lieblingsbeschäftigung. Zugleich habe ich mir auch vorgenommen, Theodor mit seinem munteren Weibchen öfter zu besuchen, um in dem Hause wieder bekannt zu werden, in welchem ich während Eduards Herrschaft allerdings etwas fremd geworden war, dort verspreche ich mir dann auch manche Erholungsstunde.- die einlengenden Briefe vertraue ich gern deiner gewissenhaften Besorgung an; am liebsten ist es mir, wenn du sie durch Gelegen- seit an ihre Adressen beförderten kannst, da auf den Posten alle Briefe geöffnet werden sollen.- Du bist dies mal mit meinem kurzen Briefe zufrieden, Liebe Schwester, wenn ich dir sage, daß ich seit 8 Monaten keine Feder in der Hand hatte, u. während dieser Zeit auch nur sehr wenig las, was auf die Geläufigkeit u. Leichtigkeit meines Schreibens natürlich einen Hemmenden Einfluß haben mußte, wenn ich ferner sage, daß ich befürchten muß, nur zu wieder- holen, was andere fleißigere Scribenten [gemeint ist "Schreibende" von lat. scribere=schreiben] längst schon zu Papier ge- bracht haben; u. wenn ich dir gestehe, daß ich mich noch nicht weit von der Farm entfernen darf, ohne Gefahr auf einen unbekannten Grund zu kommen, u. Irthümer u. Misverständnisse mitzutheilen. Drum nimm jetzt meine herztlichsten Grüße zum Lebewohl für dich, deinen Hilgard u. deiner Kinder, u. für alle die, welche sich meiner in Freundschaft gedenken.- Es umarmt dich dein treuer Bruder Th. E.
