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Callbach, den 24. Dezember 1900.
Mein lieber Eugen!
Wenn dieser Brief in Deine Hände gelangt, haben wir bereits die Schwelle des neuen Jahres überschrit= ten. Möge es Dir dauernde Gesundheit, Gück und Segen bringen; möge es Dir vergönnt sein, den Herzensfrie= den wieder zu erlangen! Dein letzter Brief zeugt von einem schmerzzerissenen und gramdurchwühlten Herzen. Auch für mich, mein Lieber, sind die Tage, in denen wir eben stehen, Tage der schmerzlichsten Erinnerung. Vor einem Jahr hielt ich Tag u. Nacht mein Liebstes, mein Alles, in den Armen, mußte zusehen, wie rasch die Trenn= ungsstunde heran nahete, nirgends Hilfe und nirgends Rettung. Ach, die furchtbare Wunde in meinem Herzen blutet in diesen Tagen heftiger, denn je. Ach, ich armer, elender Mann! Mir ist das Leben so innhalt- und wert= los. Wenn mein Kind versorgt wäre, würde ich mit Freuden die Nacht von 10-11 Januar nächsthin als die letz= te meines Lebens mit Freuden begrüßen. Der furchtbare Gram will
