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Transcribe Page - Heinrich Haas to Eugen Klee, January 14, 1900

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Heinrich Haas to Eugen Klee, January 14, 1900, p. 6 - image of

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[page 6]


zu werden; seine Umgebung mußte ihm auch stets ein frohes Gesicht zeigen; die Thränen sind alle heimlich geweint worden. Mit dem Gedanken, im Frühjahr das Bett wieder verlassen zu können, ist mein Lieb hinüber geschlummert zum ewigen Frühling. Wohl ihm, daß es so geschehen ist.

In meinem großen Schmerz ist mir das der einzige Trost, daß Malchen keine Schmerzen zu erdulden hatte, auch nicht die geringsten, und daß es ohne Wissen hinübergeschlummert ist zur Ewigkeit. Auch Dir, lieber Schwager, darf dieses zum Troste dienen; weiter darf Dir zum Troste dienen, daß ich mein armes Lieb selbst verpflegt habe und daß ich alles gethan habe, was es erquickt und ihm Erleichterung verschafft hat. Wie oft hat es mich glücklich ange- lächelt, die Arme um meinen Hals geschlungen und gesagt: "Wart, Lieber, wenn ich wieder auf bin, wie will ich es dir lohnen." Dankbar muß ich sein, daß sein Stündlein zum Abschied nehmen nicht noch länger hinausgeschoben wurde, denn sonst hätte mein armes Lieb noch große Schmerzen zu erdulden gehabt, denn Wasser- sucht wäre noch eingetreten; die beiden Füße waren schon sehr angeschwollen. Wie gern hätte ich es noch weiter verpflegt und noch größere Opfer gebracht, wenn ich es hätte retten können, aber Menschenhilfe war machtlos. So mußte ich mit blutendem Herzen dem Sarge folgen, der mein Liebstes, mein Alles in sich barg. Der mächtig große Leichenzug, etwa 70 Lehrer aus den Kantonen Lauterecken, Obermoschel und dem nahen Preußen (sangen am Grabe: da unten ist Friede) die unzählbaren Kranz- u Blumenspenden, die herrliche Trauerrede (erhältst Du nächstens) und die vielen Thränen, die mit mir geweint worden sind, das alles vermag mich nicht zu trösten. Mein Lieb ist fort und mir ist der riesengroße Schmerz geblieben. Ob ichs überwinde, mein blutendes Herz will brechen, und wenn ich mein armes, mutterloses Kind ansehe; ach wie weh, wie unendlich weh; ich will mich mit mei- nem Kinde fest zusammenschließen, dann wird mein verklärtes Malchen als schützender Engel über uns schweben. Auch Du, lieber Eugen, verlaß uns nicht, laß nicht unsere Freundschaft ein Ende haben. Ich empfehle Dir mein armes Kind, nimm Dich seiner an, wenn ich unter dem furchtbaren Schmerze zusammenbrechen sollte. Besuch uns kom- menden Sommer einmal. Vorläufig ist noch meine Mutter bei uns. Sie kann aber auf die Dauer nicht bei uns bleiben. Ich muß mich nach einer Haushälterin umsehen. Ich kann vielleicht in Einöllen eine alleinstehende, brave u. ehrliche Frau von 60 Jahren bekommen. Sie ist noch in der Freundschaft mit mir. Leb wohl. Fasse Dich, l. Eugen! Denke an mich und mein riesen- großes Weh.

Dein ewig treuer Schwager H. Haas


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