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Callbach, den 9. November 1899
Mein lieber Eugen!
Entschuldige, daß ich mit Blei schreibe.
Es ist mir in meiner traurigen Lage nicht
möglich, die Feder zu führen. Mein Malchen
ist schwer krank; bis jetzt haben wir Dir die
Thatsache immer verheimlicht; Es waren
stets Lügen, die wir Dir schrieben, wenn
es in unseren Brief hieß: „ Wir befinden
uns alle wohl.“ Wir wollten Dich nicht
beunruhigen. Mein liebes Malchen ist
damals krank von Otterberg zurückgekom=
men, wie die liebe Mutter gestorben war.
Seit der Zeit kränkelt Malchen, nur durch
die überaus gute Pflege und gute Behand=
lung ist es mir gelungen, es bis hierher
mir und meinem armen Kinde, das bis
jetzt noch nicht ahnt, welch‘ herber Verlust
ihm so nahe bevorsteht, zu erhalten.
