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Schmittweiler, den 10. Januar 1898
Lieber Eugen!
Mein diesjähriger Neujahrsglückwunsch kommt etwas verspätet lieber Eugen, weil Hein= rich Dir doch wegen Deiner Bestellung auch Nachricht zugehen lassen wollte. Also etschuldige daher gütigst mein verzögern. Ich wünsche Dir im neuen Jahre bei Deinen Unternehmungen alles Gute.
„Heil Dir Glück und Segen Auf allen Deinen Wegen.“
Aber ach, Eugen, welch großem Unternehmen willst Du Dich unterziehen - schon einmal habe ich Dir abge= raten, da man nicht weiß, ob so ein schweres Stück Arbeit auch mit Erfolg gekrönt wird. Bedenke, daß die meisten großen Tondichter in diesem Leben keine Aner= kennung erhielten, erst nach ihrem Tod wurden sie ver= herrlicht; und wenn ich bedenke, daß Du für die Nachwelt wirken willst, so ist dies nach meinen Begriffen zu edel von Dir. Wir schicken Dir Alles was Du verlangst. Ich bitte Dich aber, Dir auch Zeit und Ruhe zu gönnen, daß Du gesund bleibst. Sehr erstaunt magst Du über die Todesnachricht von F. Thines gewesen sein. Derselbe war nahe zu 6 Jahre verheiratet - hinterläßt eine Frau und 4 Kin= der. O! wie traurig für diese. Thines leitete zwei Gesang= vereine - und seine Schule. Wer ein fleißiger Lehrer sein will, hat den Tag über gerade genug zu tun u. bedarf der gu= ten regelmäßigen Nachtruhe dies sehe ich zu deutlich an meinem Heinrich. Frz. Thines sei an Entkräftung gestorben, so daß er immer weniger wurde, bis das schwache Licht ausging. __
Eben fällt mir gerade ein, wie Vater oft sagte: „ Wenn man jung ist, soll man alt leben, so könne man, wenn man alt sei jung leben.“
