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einem Extrem in das andere verfällt, so geht es auch gar manchmal im Kleinen – und doch meint man es herzensgut miteinander. Lisabeth fühlte sich zurückgesetzt, damit, daß ich anordnete Helenchen bleibe von der Mühle daheim. Lisabeth kommt nur aus einfachen bäuerlichen Ver= hältnissen her; kennt nicht Lebensart, nicht Lebenssinn im vollendeten Maße. Das Kind ist ein stück ihres Lebens und hat ihr viel von ihrer Mädchen= kraft hinweggenommen. Denkt einmal, welch schreckliche Stunde es war als der Arzt mir mit bedenklicher Miene die Frage vorlegte: Mutter oder Kind? Und doch ist alles gut gegangen, leben sie beide. Helenchen ist ein Stück vom Herzen der Mutter und ich kann Lisabeth verstehen; denn auch ich habe ja auch eine Mutter gehabt. Mein energisches Eingreifen an dem verhäng= nisvollen Tage hat nun bei Elisabeth eine Mißsstimmung gegen mich erzeugt. Ich beging den großen Fehler, daß ich mir den Gaul durchgehen ließ und so kam die Sache zur Entladung. An mir liegt die ganze Schuld; denn hätte ich meine Nerfen zusammenge= nommen, mich im Zügel gehalten, so wäre das alles nicht vor= gekommen. Herzlich weh tut es uns beiden, daß Ihr Euch unter diesen Umständen nicht wohlgefühlt habt bei uns und gar die ganze Angelegenheit auf Euch selbst bezoget. Wir bitten Euch noch= mals herzlich: Verzeihet uns; denn sonst finden wir beide nicht Ruhe, nicht den inneren Frieden. Zeigt uns dieses Verzeihen; daß Ihr im August, wenn ich Ferien habe und mich ganz Euch widmen kann, wieder zu uns nach Knittelsheim kommt. Wir hatten uns doch so sehr auf Euer Kommen gefreut und uns danach gesehnt und nun mußte dieser schrille Mißton aufklingen! –
Jetzt erst kann ich von anderem schreiben. Ich
