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Transcribe Page - Eugen Haas to Eugen Klee, May 14, 1923

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Eugen Haas to Eugen Klee, May 14, 1923, p. 1 - image of

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K. den 14.Mai 1923.

Liebe Tante! Lieber Onkel!

Lieber Onkel, Du hast recht, daß es eine Überraschung für uns war Nachricht von Euch aus Bremen und nunmehr aus [roman:]Kissingen[/roman] zu erhalten, um so mehr, da wir weit über Jahresfrist nichts mehr von Euch gehört hatten. Der letzte Brief war der, in welchem Ihr Eure glückliche Ankunft in Amerika mitteiltet. Ich nehme an, daß Ihr meine Rückantwort, ferner eine Festkarte aus Oberammergau mit Anton Langs persönlicher Unterschrift, sowie einen weiteren Brief, in welchem ich Vaters Erkrankung mitteilte, erhalten habt. Allerdings unsere postalischen Verhältnisse sind sehr schlimm und stehen auch z.Zt. mit Stichproben unter Kontrolle, eine Tatsache, die mir in der Beant= wortung Eurer Anfrage Beschränkungen auferlegt. Ihr selbst habt als Ausländer keiner= lei Schwierigkeiten. Mit Hinsicht auf den Paß kommt für Euch folgende Bestimmung in Anwendung: „Angehörige der fremden Mächte müssen lediglich bei den zustän= digen deutschen Stellen binnen zwei Tagen nach der Einreise den Paß visieren lassen.“ Der Bahnverkehr vollzieht sich nur auf den Hauptstrecken und ist in Händen der Besatzungs= macht. Von Ludwigshafen ist Verbindung nach Kaiserslautern und Landau, doch kann ich über Betrieb und Sicherheit keine Auskunft geben, da in folge des passiven Abwehrkrieges die Bahn von deutscher Seite nicht benützt wird und sämtliches Eisenbahnpersonal die Arbeit ver= weigert. Massenausweisungen sind erfolgt, Gefängnisstrafen sind zu verbüsen, Zwangs= arbeiten sollten ausgeführt werden. Ausweisungen erfolgen nunmehr innerhalb kürzester Frist unter Zurücklassung des gesamten Besitzes. Wenn auch die deutschen Eichen in der Pfalz gefällt werden, so sind sie doch stark gewurzelt. Das Schauspiel Schillers am Vierwaldstätter= see erlebt bei uns eine zweite Auflage. Die Parole ist: Stark sein und getreu, komme was da will. – Die Lebensverhältnisse sind nach dem fruchtbaren Vorjahre und dem guteinsetzenden Frühjahr gut. Die deutsche Einigkeit wird durch die Not – die seelische Not – härter zusammengeschmiedet denn je. Ein Volk, ein Geist, ein Vaterland! Wir selbst fühlen uns wohl und sind auf alles gefaßt. Die schon 1921 geplante Erholungsreise, welche nicht ausgeführt werden konnte, wurde 1922 nachgeholt. In freier Alpenluft bei Herdenglocken= klang und Alphornruf erstarkten Körper und Geist und es war auch höchste Zeit; denn wir waren nach den Entbehrungen in der Vorzeit zusammengeklappt. Den letzten Winter verbrachten wir ausgezeichnet, ohne Arzt und wir sind wohlauf und sehen der Zukunft ge=


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