Johann P. Weinhardt to William W. Weinhardt, April 3, 1924, p. 1 - image of
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Windsheim, 3. April 1924
Liebe Verwande!
Euer Packet mit Inhalt haben wir er- halten. Wir sagen herzlichen Dank. Hoffentlich habt Ihr unseren Brief vom 1. März erhalten.
Bei uns ist es zur Zeit noch ziemlich kalt. Es regnet uns schneit schon seit 4 Tagen.
Bei Euch wird es wohl wärmer sein. Schon längere Zeit haben wir Euch von den Verhältnissen in Deutschland nichts mehr ge- schrieben, nun wollen wir Euch einiges mitteilen.
Die Verhältnisse haben sich seit 1⁄2 Jahre gebessert; gebessert wenn man so sagen darf wohl in den Geldverhältnissen. Wir haben seit Dezember 1923 die Rentenmark als Zahlungsmittel. Diese Rentenmark ist aber sehr selten, das heißt man hat nicht viele solche Dinger. Zuerst hatten wir die Millionen, Milliarden und Billionen; aber man konnte sich nichts kaufen da- mit, weil die Großkaufleute nichts dafür gaben; denn die Geldentwertung wurde von Stunde zu Stunde ärger.
Seit Einführung der Rentenmark gibt es zwar Alles in Hülle und Fülle, aber der gewöhnlich Sterbliche bekommt als Lohn nur ganz wenige solche Rentenmark und es ist noch viel schlimmer als zuvor.
Ein Arbeiter verdient die Woche
[Randbemerkung:]
Ist es Euch nicht möglich uns im Laufe des Sommers auf einige Monate zu besuchen? Ihr seid herzlichst hierzu eingeladen.
