Margarethe Raster and Gertrud Oppenheim to Anna Oppenheim, April 2, 1872, p. 6 - image of
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es keiner Wiederholung meinerseits. - -
Kaum wundern kann ich mich über Tante Lena's
unvernünftiges Kaufen und Anschaffen, da
ich ja weiß, daß es ihr höchstes Bestreben ist, für
Grete Alles schöner und besser zu haben, als andere
Leute, ohne jedwede Rücksicht auf die Verhält=
nisse. Onkel Fränkel ist mit Recht böse über
diese großen Ausgaben, denn für Karl Kitzings
Einnahme paßt dergleichen wirklich nicht. Im ver=
gangenen Jahre betrachteten Tante Lena und Grete
meine Heirath mit einem Kommis mit 1500 rt.
Gehalt, als entsetzlich gering und doch: wie froh
wären sie, auch ich, wenn Gretens Bräutigam
eine solche Stelle hätte. Der Wunsch ihre Tochter
verheirathet zu sehen, läßt Tante Lena über=
sehen, wie traurig sich die Verhältnisse nach=
her gestalten können und was für Entbehrun=
gen die arme Grete vielleicht ertragen muß.
Wenn ich nur wüßte, warum eigentlich ge=
heirathet werden muß, wenn sich soviel Hin=
dernisse entgegen stellen? Hat man sich lieb,
geht Alles gut und glatt, heirathet man eben, -
wenn nicht, wartet man bis der geeignete
Zeitpunkt eingetreten ist, und unser Brautpaar
hat doch wahrlich nichts zu versäumen! - - -
Einen englischen Brief an Dich, liebe Mathilde, habe ich angefangen und werde ihn bald absenden. - Neues weiß ich nicht zu berichten. - Deßhalb nur noch viele Grüße! Gertrud.
