« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
You don't have permission to transcribe this page.
Current Page Transcription
Schwester wohnen hat, noch nicht ganz hinaus ist. Eine in
der That recht elegant und behaglich - nach deutschen
Begriffen wohl luxuriös - eingerichtete Häuslichkeit trägt
das ihrige dazu bei, um sie mit ihrem "Schicksal" zu ver=
söhnen und schließlich steht ihr ja noch immer die
Aussicht vor, daß wir nach fünf Jahren in der Lage
sein werden, irgendwohin zu gehen, wo es uns besser
gefällt, als hier, sei es nach dem Osten der Ver. Staa=
ten zurück, sei es nach Deutschland. - Mathilde ihrerseits
gewöhnt sich natürlich noch rascher an das hiesige Leben,
als meine Frau oder ich. Seit Anfang dieser Woche geht
sie wieder zur Schule, nachdem sie ihre F lange Ferien=
zeit (die Sommerferien dauern in Amerika der Hitze
wegen volle zwei Monate) aufs behaglichste genossen hat.
Möglich, daß ich in einigen Wochen meine Frau einmal
nach New York reisen lasse. Es gehört hier zu den Annehmlichkeiten
der Stellung eines Redakteurs an einer hervorragenden Zeitung,
daß er die Fahrten auf Eisenbahnen für sich, oder ein Mit=
glied seiner Familie in der Regel umsonst erhält; wie ich denn
auch die Hierherfahrt nur für Frau u. Tochter, nicht für mich bezahlt
habe.
Nun, für diesmal genug. Ich wünsche nun aber auch, daß Du uns
recht bald u. einen recht langen Brief schreibst. Ditto Marie an
Mathilde, die sonst ganz böse wird. Denke nur ja nicht, uns zu ermüden. Die an=
scheinend unwichtigsten Vorgänge in der alten Heimath haben für den doppelt
Ausgewanderten großen Werth u. mir ein Brief von dort ist uns stets die größte Freude.
Dein treuer Bruder
[roman:] Hermann [/roman]
