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Transcribe Page - Lina Hansen to Marie Hansen Taylor, March 24, 1864

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[page 1, right-hand side of sheet 1]

[text in upper left corner of page 1, written in pencil:] Beschreibung der Hochzeit von Ida. [/text in upper left corner of page 1, written in pencil]

Gotha, den 24ten May 1864

Meine liebe Maria!

Obgleich mir das Herz noch vom tiefsten Trennungs= weh durchzogen ist, so daß es vielleicht besser wäre ich schriebe nicht, so will ich Dich doch nicht länger auf Nachricht warten lassen, die Du gewiß sehnlichst erwartest. Jetzt ist die Zeit da, an die zu den= ken ich ich immer mied, unsere liebe Ida mit ihren [sic] heiteren u. liebevollen Gemüth, das mir so man= chen Schmerz linderte u. immer einen so wohlthäti= gen Einfluß auf mich ausübte, hat unser Haus verlassen, wie schwer es mir wird mich darein zu finden können Worte nicht sagen, jetzt habe ich nur erst eine Ahnung von dem was ich ent= behre, die Zukunft wird es mich erst in vollem Maße fühlen lassen. Nun, es ist Gottes Wille, daß es so kam, Zeit u. Gewohnheit u. vor allem der Gedanke, daß sie so unendlich glücklich durch den Besitz ihres Mannes ist, wird mir es tra= gen lassen. Ehe ich Dir aber von der Hochzeit erzähle, liebe Maria, will ich Dir erst meine herzlichsten Glückwünsche zu Deinen [sic] Geburtstag sagen, viel, recht viel werde ich den 2ten Juny, den wir im vorigen Jahr so vergnügt zusammen ver= lebten, dan Dich denken u. Gott um reichen Segen für Dich u. die Deinen bitten. Ene weite, weite Entfernung trennt uns wieder von einander, aber im Geiste werden wir uns doch nahe sein u. Gott wird uns beiden [sic] empfinden lassen, mit wie viel Liebe wir einander gedenken. Leider kann ich Dich dieses Jahr mit keiner Gabe erfreuen, was wir Dir

[page 4, left-hand side of sheet 1]

buche u. Lauschagrund u. wir hatten vollauf für den Hochzeittag zu thuen, mich, fingen die Kräfte an, gänzlich zu verlassen, ohne Emma's u. Tante Augustas Hülfe würde ich mit Schanden bestanden haben. Wie schwer u. mit welcher ungeheuren An= strengung ich diese Tage überstanden habe, davon hat Nie= mand einen Begriff. Die Trennung von Ida, mit der ja all meine Freude u. Trost fortzieht lag mir wie Blei auf der Seele u. mit solchen Empfindungen sollte ich eine so große Gesellschaft halten, es war meinen [sic] Gefühl nach so unnatürlich. Am Hochzeittag hatte ich aber Gott sei Dank wieder so viel Gewalt über mich erlangt, daß ich fest sein konnte u. meine Stimmung so viel beherrschen, daß sie keinen Druck auf die andern ausübte. Um 12 Uhr fuhren wir zur Kirche, deren Altar auf das schönste mit Blumen besetzt war, es war ein herrliches Brautpaar, voll jugendlicher Schönheit u. An= muth, das wir dahin brachten, ich wollte ich könnte Dir ein Bild der ganzen kirchlichen Ceremonie schicken, sie war erhebend u. Schwarz hielt eine herrliche, tief zum Her= zen dringende Rede, in der er die Verhältnisse auf die zarteste Weise berührte. Der alte Repsold äußerte noch nie eine so schöne Traurede gehört zu haben. Als wir aus der Kirche zurückkamen waren Geheimrath Brauns schon da, worüber wir große Freude hatten, denn es war noch sehr zweifelhaft ob der Onkel sich so wohl fühlte, daß er da= bei sein konnte. Im Saal war eine große schöne Tafel ge= deckt mit 35 Couvert, die bequem untergebracht waren, an beiden Seiten der Tiefe nach war unser u. Tante Augusta's Auszugtisch, die in der Mitte mit den [sic] Tisch aus der Bibliothek u. noch einen [sic] kleineren verbunden waren. Die Gesellschaft war äußerst vergnügt ein Toast über den andern wurde ausgebracht, auch Bayards deutsche Zeilen verlesen mit vielen [sic] Beifall, u. zwischendurch auch gesungen. An der Mitte des Tisches saßen das Brautpaar, zu beiden Seiten die Brautführer u. Jungfern, gegenüber die


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