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da die Zeit so schwer vor mir liegt, ist es besser ich habe sie bald überstanden, die paar Wochen länger würden doch nur ebenso unruhig für mich sein, wie die jetzigen. Der Hochzeittag muß indeß doch verän= dert werden, da Schwarz den 19ten May auf den [sic] Kirchen= tag in Weimar sein wird, er will noch genaueren Bescheid darüber sagen, wir denken, daß der 21te ge= nommen werden kann. den 5ten April. Heute erst komme ich dazu diesen Brief zu beendigen, zwei Tage war ich wieder sehr unwohl u. dann bekam Ida in Folge einer starken Erkältung so heftige Zahnweh u. geschwollne Drüsen, daß sie 3 Tage zu Bette gelegen hat, heute geht es endlich besser u. ich hoffe, sie hat es überstan= den. Dazu kam eine neue Köchin, die ich einzurichten habe, was zu viel für meine Kräfte, fast scheint es zuweilen, daß mir keine Ruhe werden soll, könnte ich nur ruhig sitzen bleiben, so würde ich doch meine große Schwäche leichter tragen. Es ist gar zu traurig, daß dieser letzte Winter den ich mit Ida zusammen bin, uns beiden durch so vieles Kranksein getrübt wird. Emma ist auch seit einiger Zeit sehr viel schwach gewesen, ihre Nerven sind gereizt, was wohl davon kommt, daß sie die Kinder so viel mehr um sich gehabt u. selbst besorgt hat, vorigen Donners= tag kam ihr Mädchen u. heute geht es schon wieder weg, sie will das Zimmer nicht abwaschen, der Kohlen= kasten ist ihr zu schwer zu tragen u. [drgl.?], sie ist mit einen [sic] Wort eine Dame, die nicht zum Kindermädchen passt, da sich gar keine anbot, hatte sie Emma in ei= ner Art von Verzweiflung u. eigentlich ohne Ueberlegung angenommen. Daß Deine Minna nicht bei Dir bleibt finde ich auch sehr hart für Dich u. sehr undankbar von ihrer Seite, es ist recht traurig solche Erfahrungen zu machen. Unzäh= lige mal habe ich bereuet, daß ich meine Minna nicht vo=
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rigen Sommer, wie ich wollte, fortgeschickt habe, es hat sich immer mehr herausgestellt, daß sie eine durch u. durch schlechte Person ist. Ich habe jetzt ein Mädchen, die bei Leo= nore Madlung gedient, bekommen, daß von ihr sehr gelobt wor= den ist, sie ließ sie gehen, weil sie nur ein Mädchen künf= tig haben will. Doch nun muß ich Euch erst für Euere lieben Briefe vom 12ten März, die vor einigen Tagen ankamen, danken, ich habe sie mit vieler Freude gelesen u. danke Euch tausendmal für die vielen Geschenke, die Ihr uns geschickt, sie werden große Freu= de erregen, Du hast aber auch an alle gedacht liebe Ma= ria u. mich ganz besonders reichlich bedacht. Ueber den Wäsche - Ringer u. Kaffeemühle freue ich mich ganz außerordentlich, ich habe mir ersteren längst gewünscht u. denke er muß die Wäsche schonen u. viel Zeit dabei ersparen. Dann hast Du mir auch noch so viel Haaröl, für mehrere Jahre, u. viele andere schöne Sachen be= stimmt, wie sehr ich mich über alles freue u. Dir so herz= lich dankbar dafür bin, kann ich Dir nicht sagen. Auch der liebe Vater freut sich sehr auf die Leckerbissen u. das Chinesische Puzzle welches Du ihm schickst. Das Schiff ist schon Sonabend vor 8 Tagen in Bremen angekom= men, wir werden also wohl nicht mehr lange darauf warten müssen. Die Turtle Suppe werde ich wohl kaum zu Ida's Hochzeit verwenden können, so schön es auch wäre eine Raretät aufzusetzen, aber ich werde wohl dann kaum weniger als 40 Personen zu Tische haben, eine so große Zahl, daß ich oft davor erschrecke. Von Hamburg kommen sicher 10 Personen, Eltern u. alle Geschwister von Hans, u. möglicherweise auch noch 4 Geschwister der Eltern, dazu kommt unsere eigne Familie, Schwarzens Braut= jungfern, die Pathen, Agnes Braun von Bernburg u. Emilie Kellner von Crawinkel, die wir nicht
