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Gotha, den 30ten März 1864
Meine liebe Maria!
Da ich vermuthe, daß Ida's Brief, den sie vorige Woche an Dich schrieb, Dich um mich besorgt ge= macht hat, so schreibe ich heute selbst einige Worte um Dir zu sagen, daß es mir wieder besser geht, wenn ich mich auch noch recht schwach fühle, so haben doch die Beschwerden, die ich in der Brust hatte, fast ganz aufgehört. Ich war recht krank, Wislicenus hat mir mit seinen Mitteln schnell wieder aufge= holfen, aber dabei ist es mir doch klar geworden, wie sehr schwach meine Gesundheit eigentlich ist. Mit vieler Sorge denke ich an die Zukunft u. weiß nicht, wie ich über Ida's Hochzeit hinkommen soll, das Frühjahr ist immer eine Zeit in welcher ich mich am schwächsten fühle u. dazu kommt nun dieses Jahr noch die viele Unruhe u. Gemüthsaufregung. Hans kam vorigen Sonabend ganz unerwartet, wie glücklich Ida darüber war, wirst Du wohl denken können u. ich freuete mich mit ihr. Gestern Abend ist er schon wieder abge= reist, die 7 Wochen bis zu seiner Rückkehr wer= den schnell verfliegen, er bot mir an die Hochzeit noch um einige Wochen zu verschieben, wenn ich bis zu den [sic] jetzt festgesetzten Tag nicht fertig werden könnte, ich meinte aber es wäre besser es dabei zu lassen,
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gut übergehen konnten. Wenn ich nicht erst wieder kräf= tiger werde, wie jetzt, so weiß ich nicht, wie das gehen soll. Mache Dir keine Sorge, daß ich geistig nicht stark genug wä= re, liebe Maria, seitdem ich die harten Gemüthsstürme im vorigen Herbst überstanden habe, bin ich an Geist viel stär= ker geworden u. ganz ergeben in alles, was mich trifft, nur der Körper ist so viel schwächer geworden. Glaube ja nicht, daß ich es Ida schwer mache, sie hört keine Klage über ihr Weggehen von mir u. oft wünsche ich, daß sie so stark wie ich wäre, ich muß sie oft trösten, sie stellt sich die Trennung sehr schwer vor. Sie lässt Dir aufs herzlichste für Deinen lieben Brief u. die Ihr zugedachten Geschenke danken, nächstens wird sie Dir selbst schreiben. Deine Uebersetzung ist nun endlich vor Ostern erschienen, da die Freiexemplare ausblieben, so schrieb der Vater an Campe u. erhielt gestern die Antwort, daß er von gar keinen Freiexemplaren wisse, er selbst habe nicht mit Bayard verhandelt, sondern mit Strott= mann, der sich jetzt in Flensburg als Berichterstatter befände u. wahrscheinlich im Kriegsgetümmel sie vergessen hätte, er le= ge aber 3 Exemplare bei u. bäte um weitere Nachricht. Wir haben nun das eine heute zum Binden gegeben um es der Herzogin so bald wie möglich zukommen zu lassen. Daß die arme Lilian krank gewesen ist, thut mir sehr leid, ich freue mich für sie, daß sie nun wieder aufs Land kommt. Auch bin ich recht froh, daß Dein lieber Mann seine Vorlesungen überstanden hat, ich habe ihn oft darüber bedauert. In [roman:] Kennet [/roman] werden sie sich auch sehr auf Euere Rückkehr freuen. Es war mir eine große Freude, daß Dein lieber Mann sich in seinen [sic] Brief sich so zufrieden über Augusts veränderte Stellung aussprach u. auch so zufrieden mit seinen eignen Verhältnissen ist. Beiliegender Brief von Lina ist schon vor länger als 4 Wochen geschrieben, aber einmal liegen geblieben, weil der Brief zu schwer wurde u. das andere mal vergessen, sie hat ihn ganz ohne Hülfe geschrieben.
[text on top of page 1, written upside down:] Sage Lilian, daß ich ihr sehr für ihr liebes Briefchen u. die Küsse dankte u. sobald ich wieder wohler wäre ihr auch schreiben wollte. Grüße Deinen lieben Mann, seine Eltern u. Emma aufs herzlichste von uns, der gute Vater, Emma, Wilhelm u. seine Frau senden die besten Grüße für Dich. An Lilian herzliche Küsse von mir. So leb denn wohl, liebe Maria, Gott möge Euch behüten! Mit der herzlichsten Liebe Deine Mutter. [/text on top of page 1, written upside down]
