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[page 2, left-hand side of sheet 2]
ist mir voll Wehmuth, möge Gott
geben, daß in diesem neuen Lebensjahr auch
ein neues inneres Leben ihn ihm beginnt. Recht sehr
habe ich mich in diesen Tagen nach einen [sic] Brief von
ihm gesehnt. Wenn es in Amerika so kalt, wie bei
uns gewesen ist, wird er bei der Arbeit wohl von
der Kälte zu leiden gehabt haben. Wir haben
seit vielen Wintern keine so strenge Kälte, wie
in den letzten 3 Wochen gehabt, ich habe sie bitter
empfunden, doch ist es mir dabei besser gegangen
wie vor Weihnachten u. ich hoffe nun den Winter
noch erträglich zu überstehen. Alle meine Willens=
kraft habe ich wieder zusammen genommen um
Ida's Ausstattung fertig zu bringen, es ist dieß
noch eine große Aufgabe für mich, von der es
mir zuweilen scheinen will, daß ich sie nicht über=
wältigen kann. An die Zukunft denke ich gar nicht
mehr, so wie meine Gedanken darauf kommen
so lenke ich sie sogleich ab, Gott wird ja weiter
helfen. Die Zeit fliegt, es scheint mir nur
ein Katzensprung noch bis zu Ida's Hochzeit,
u. wie viel ist bis dahin noch zu beschaffen,
Ida geht es viel besser, während der strengen
Kälte war sie wieder mehr angegriffen, aber
dennoch ist eine wirkliche Besserung ihres Zustan=
des unverkennbar. Emma ist wohl, sie genießt
das Theater, die Kinder sind gottlob immer wohl
gewesen, Peter wird immer geweckter, er ist
oft ein kleiner Schalk u. recht unbändig. Lina
spricht sehr viel von Lilian u. erzählt mir oft
von ihren Spielen, die sie in Petersburg mit
ihr getrieben, sie hat ein merkwürdiges Gedächt=
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niß. Lilian amüsirt sich wohl in Neu-York an den [sic] lebendigen Treiben der großen Stadt. Daß es Mrs. Stoddard mit ihren [sic] kleinen Sohn so gut geht, freut mich sehr, ich wünsche Ihr von ganzen [sic] Herzen Glück dazu. Geheimrath Brauns habe ich seit des Vaters Geburtstag nicht wieder gesehen, es geht ihnen erträglich. Ich bin seit 3 Wochen nicht aus dem Hause gekommen, in der Kälte wagte ich nicht auszugehen. Wilhelm u. Ida haben in ihrer Wohnung sehr von der Kälte zu leiden gehabt, sind aber doch dabei gesund geblie= ben. Die politischen Verhältnisse werden im= mer trüber bei uns, die deutschen Fürsten stehen sich feindlich gegenüber, so daß jedermann den Ausbruch eines Bürgerkrieges fürchtet. Wie ich von Betty erfahre soll in Holstein sich gar kein Enthusiasmus für den Herzog von Au= gustenburg kund geben, aber dennoch wollen sie ihn zum Herzog haben, um nur von Däne= mark loszukommen. Die Volkszeitung ist diese Woche zum dritten mal confiscirt worden, wodurch uns die neuesten Nachrichten fehlen. Ich will diesen Brief über Hamburg schicken, u. muß deßhalb schon schließen, wenn er übermorgen mit abgehen soll, in aller Eile bemerke ich nur noch, daß von Thiemmann eine Rechnung von 5 rt für einen Hausschatz an Deinen Mann gekommen ist. Ohnigs Rechnung beträgt nur 3 rt sind also 2 rt übrig. Der Brief geht nach [roman:] Kennet [/roman], da ich keine Adresse nach Neu-York habe.
