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Tage blieb sie zwar noch nicht frei von Schmerzen, aber, sie blieben doch erträglich u. wurden jeden Tag weniger. Gestern sagte mir Madlung, daß sie es nun überstanden ha= ben würde, er glaubt, daß die Natur sich gehol= fen hätte, denn da er sich die größte Mühe ge= geben u. täglich zweimal gekommen war, so mochte ich ihm um keinen Preis sagen, daß ich woanders Hülfe gesucht. Wo ich die Kräfte her= genommen habe das alles zu überstehen, weiß ich selbst nicht, ich war oft so angegriffen, daß ich mich nicht mehr aufrecht halten konnte, hatte ich aber eine Zeit gelegen, so ging es doch wieder u. ich denke jetzt daß Gott mir dieß auferlegt hat um mich von andern schmerzlichen Gedanken abzuziehen. Wenn uns nur die Kinder von Scharlachfieber u. Masern, die beide sehr hier herrschen, verschont bleiben. Die kleine Maria läuft jetzt sehr sicher u. hat sich überhaupt merkwürdig erholt, Peter entwickelt einen Redefluß, der fast Lina's übersteigt. Sie sprechen noch sehr viel von Lilian u. wünschen sie oft zu sich, besonders Peter erzähl [sic] viel davon, daß Lilian übers große Wasser nach Amerika gegangen sei. Daß auch ich oft genug Lilian hier zu uns wünsche, wirst Du Dir wohl denken können, ich hatte mich doch gar sehr an sie gewöhnt u. immer schweben ihr liebliches Wesen u. ihre schelmischen Augen vor meinem Geiste. Ueber die Nachrichten die Du mir von August gegeben, danke ich Dir sehr liebe Maria, er scheint mich ganz zu vergessen, wie lange schon sehne ich mich nach einen [sic] Brief
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von ihm! Es war mir eine Wohlthat zu erfahren, daß er nicht mehr in dem Gasthause, von dem mir ein schreckliches Bild vorschweb= te, wohnte, wenn ihm auch bei den Quäkern noch manches ungewohnt ist u. manches entbehrt, woran er gewohnt war, so hat er doch wenig= stens nun eine Schlafstube für sich allein. Jeden Sonabend begleite ich sie in Gedanken zu Euch u. bin so froh zu wissen, daß er dort freund= liche Aufnahme findet, jetzt aber, wo die Tage so kurz sind u. das Wetter so naß u. schlecht, fürchte ich daß er wohl manchmal auf dieses Vergnügen verzichten muß u. oft auch ängstigt es mich ihn des Abends in dieser schlechten Jahreszeit unter= wegs zu wissen. Ich möchte so gerne wissen in welchen [sic] Zweig des Maschinenbaus er arbeitet u. ob er Zeit hat sich dabei etwas wissenschaftlich zu beschäftigen. In Wilhelms Fabrik geht es gut u. wird auch wohl im Winter nicht an Ar= beit fehlen. Vorigen Sonabend haben Bon= sack u. Wilhelm den Arbeitern einen Ball im grünen Baum gegeben, auf dem es sehr heiter aber ganz anständig zugegangen ist. Der Vater u. ich, Ida, Wilhelm's Ida u. Herr u. Frau Bonsack, August Henneberg u. Fritz Hennebg. wa= ren auch da, für mich war es ziemliche Aufgabe de Abend um 9 Uhr noch dahin zu gehen, da es aber eben mit Emma besser ging u. Wilhelm es sehr wünschte, so that ich es doch u. es hat mir auch Vergnügen gemacht die Tanzlust dieser Leute mit anzusehen. Wir blieben wohl bei= nahe 2 Stunden, Schiefer war Festordner mit noch einen [sic], beide hatten sich mit blau u. weißen Schlei=
