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[page 2, left-hand side of sheet 2]
wir alle finden das höchst lächer= lich u. können es kaum begreifen. Daß Ihr schon Schnee gehabt hatte ich aus den Wetterzet= teln bereits gesehen, mir aber wohl schlimmer ge= dacht, als es war, Dir, liebe Maria, wird es aber dennoch sehr sonderbar vorkommen, daß der Win= ter so bald sich schon anmeldet. Auch wir haben schon Frost des Nachts in dieser Woche gehabt, der theilweise den Gärten sehr geschadet hat, auch die Orangerie soll sehr davon gelitten haben, in meinen [sic] Garten haben die Blumen noch ganz ihr frisches Ansehen behalten, die erste Nacht waren sie unbedeckt, u. dennoch nicht erfroren, daß Gebäude hat wohl Schutz gewährt, die andern beiden Nächte ließ ich sie mit Stroh = decken zudecken u. bin nun, da die Luft wie= der ganz warm ist, meine Blumen noch hübsch im Garten zu haben. Heute haben wir wie= der bis 6 Uhr Abends im Garten sitzen können. Ebenso beständig, wie im Sommer das trübe Regenwetter ist jetzt das schöne heitere Wetter. Eine amerikanische Zwiebel blüht jetzt pracht= voll, sie hat zwei Stangel mit schönen rothen Blüthen. Zwei andere, kleine Zwiebeln ha= ben aus einen [sic] Kelch nach u. nach verschiedene Blumen getrieben, sie sind orange gelb u. mit rothbraunen Flecken u. blühen immer nur vom Morgen bis zum Abend. Weißt Du nicht den Namen dieser Blumen? Ich freue mich sehr, daß Emma Taylor besser geht aber mit gro= ßer Sorge denke ich täglich an Alle in [roman:]Kennet[/roman], ihre Lage ist gewiß höchst traurig u. wie wird es wohl Fritz ergehen, der gewiß jetzt, wo die
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Gefahr der Heimath so nahe rückt, wieder unter den kämpfenden Truppen steht. Jeden Tag nehme ich die Zeitungen mit Angst u. Furcht in die Hand, denn in der letzten Zeit ha= ben sie fast jeden Tag schlechtere Nachrichten ge= bracht. Heute würde wieder berichtet, daß die Rebellen in Pensilvanien ständen, wie sehr mich das kümmert, wirst Du Dir wohl denken können. Uebermorgen geht Ida mit Wilhelm nach Wien, heute Mittag erst hat letzterer das beschlossen, da die Gießerei in dieser Woche noch nicht in Angriff genommen werden kann, wegen fehlender Erlaubniß, die die Regierung ertheilen muß, hat er sich schnell entschlossen erst noch die Reise zu machen. Gut ist es ihm ja wohl auch, wenn er einmal aus seinen Geschäften herauskommt, wenn nur die Reise weniger kostspielig wäre. Länger wie 10 Ta= ge werden sie nicht ausbleiben, Ida ist sehr glücklich darüber u. ich freue mich auch, daß sie die Reise machen kann, obgleich ich sie sehr entbehren werde. Ich bin die ganze Woche wieder viel unwohl gewesen, mein Magen ist gar zu schlecht u. wohl nicht die Ursache meiner Krämpfe, die mich in diesen Tagen sehr gequält haben. Diese Woche bekomme ich auch ein anderes Mädchen in die Küche, das ich im Kochen wohl erst werde anlernen müssen. Sehr froh bin ich indeß Maria endlich nicht mehr um mich haben zu müssen, ihr schlechter Karak= ter u. ihr innerer Grimm, der, seit ich ihr den Dienst aufgesagt, beständig gewesen ist, waren mir schon längst ganz unerträglich. Diese Woche
