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[page 1, right-hand side of sheet 1]
Gotha, den 3ten April 1862
Meine liebe Maria!
Vorige Woche erhielt ich Deinen lieben Brief vom 10ten März u. war sehr erfreut bessere Nachrichten über Deine Augen darin zu finden, ich hoffe nun sicher, daß sie nach u. nach wieder ganz gut werden! Daß Du schon wieder von Dei= nen [sic] lieben Mann getrennt sein würdest, hatte ich nicht vermuthet, es thut mir leid für Dich, aber ich begreife sehr wohl, daß er das Aner= bieten annehmen musste, möge Gott geben, daß er glücklich zurückkehrt! Die Zeit in der Ihr lebt muß eine sehr aufregende u. auch aufrei= bende sein, ich denke beständig mit Sorge an Euch u. in der letzten Zeit habe mit beson= derer Unruhe jede Nachricht von Amerika erwartet, die vielen von der Union errun= genen Siege ließen uns ein schnelles Ende des Krieges erwarten, aber die letzten Nach= richten haben unseren Muth dazu wieder ge= schwächt, wenn die ganze Macht der Rebellen sich wieder sammeln kann, so wird es einen furcht= baren Zusammenstoß geben u. man kann nicht wissen auf welche Seite sich das Kriegsglück wendet oder welche Parthei die besten Gene=
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Blüthe u. die Kirschen sind zum Aufbrechen. Wir haben schon 18° Wärme gehabt. Ich kann leider das schöne Wetter nicht so genießen, wie ich ger= ne möchte, zum Gehen fehlen mir die Kräf= te ganz, wenn ich einmal einen Weg in die Stadt gehe, so muß ich dafür leiden. Wisli= cenus scheint mir auch nicht mehr helfen zu können, zuweilen habe ich bessere Tage, aber diesen folgen immer wieder schlechte. Bäder im Hause zu nehmen hat mir Madlung schon voriges Jahr verboten, er sagte sie würden mich viel zu sehr aufregen u. da mein Uebel hauptsächlich vom Herz auszugehen scheint, so glaube ich auch auch [sic] nicht, daß mir Bäder helfen, wenn ich erst wieder im Garten sitzen kann, so hoffe ich daß die Luft mich stärkt. Obgleich es so warm ist, wage ich doch noch nicht mich ins Freie zu setzen, da ich so sehr zu Erkältung neige. Es freut mich, daß Du Minna wieder hast, daß das Ham= burger Mädchen nicht lange bleiben würde hatte ich mir schon gedacht, der Abstand zwischen den [sic] belebten Hamburg u. Kennet ist gewiß groß u. die Hambur= gerinnen lieben nicht die Einsamkeit. Soeben er= halte ich Deinen lieben Brief vom 16ten März, ha= be vielen Dank, daß Du so bald mir wieder ge= schrieben. Es ist höchst traurig daß wieder ein so großes Versehen in der Kriegsführung ge= macht worden ist. Mit der größten Spannung sehen wir den nächsten Nachrichten entgegen. Lilian werde ich einen Farbkasten mit Bildern schicken in diesen Brief lege ich einen Bilderbogen für sie bei er ist aber nicht wie ich ihn gerne wollte, Ida hat ihn aus= gesucht. In Kennet wird Freude sein, wenn Lilian zurückkommt u. sie selbst wird sich auch dort in der ländlichen Freiheit wohlbefinden. Meine Nähma= schine scheint nach unendlichen Versuchen sich end=
[text on top of page 1, written upside down:] lich zum Nähen zu fügen, August hat sie dahin gebracht aber schrecklich empfindlich scheint sie mir doch zu sein, bis jetzt habe ich nur großen Zeitverlust aber keine Hülfe daran gehabt. Die amerikanischen Nadeln sollen die besten sein, wenn Du einige übrig hast, so schicke sie mir, besonders zu starkem Zwirn. Nähen kann ich sehr gut da= mit, wenn der Faden nur nicht ewig reißen wollte. Ich schicke Dir eine Recension über die griechische Reise mit. Die herzlich= sten Grüße an Deinen lieben Mann u. alle andern. Der gute Vater u. Die Geschwister grüßen Euch herzlich. Möge Euch Gott behüten! Mit der herzlichsten Liebe Deine Mutter. [/text on top of page 1, written upside down]
[text at bottom of page 3 and 2, written upside down:] August Hensel ist vorgestern abgereist, Adolph hat selbst das Geschäft, in welchen [sic] er arbeitete übernommen u. es geht ihm sehr gut. [/text at bottom of page 3 and 2, written upside down]
