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nes Brief habe ich mich ganz besonders sehr gefreut, er schreibt so herzlich u. giebt Dir, liebe Maria ein so schönes Zeugniß, daß mir das Herz vor Freude gehoben wurde, er hat wohl recht, daß ich für den Schmerz der Trennung kei= gen besseren Trost haben kann, als den daß Du treu Deinen Beruf erfüllst u. ihn glücklich machst u. Du Dir dadurch selbst Dein eignes Glück schaffst. In trüben Zeit wird der Werth des Menschen erprobt, wohl dem, der die Probe besteht. Gerne hätte ich Deinen [sic] lieben Mann selbst den Brief beantwortet, aber das Schreiben wird mir schwer, wenn ich einen Brief geschrie= ben habe, so kann ich nicht mehr. Meine Ge= sundheit ist leider immer noch schlecht, ich bin so schwach u. fühle mich oft so schrecklich angegriffen, die Pulver von Wislicenus haben zwar meinen Herzschlag erleichtert, aber dagegen fühle ich mich viel mehr angegriffen. An meinen [sic] Geburtstag haben wir mit Buflebs bei der Tante Emilie gegessen, recht dankbar erkenne ich es an, daß sie mir wieder an diesen [sic] Tage al= le häusliches Sorge abgenommen hat. Der Onkel war sehr heiter u. hatte sogar einige Gedichte ge= macht. Auch auf Euer Wohl haben haben wir die Gläser klingen lassen. Der gute Vater u. Wilhelm hatten mir zusammen eine Nähmaschine geschenkt, u. da ich jetzt so wenig nur fertig bringe, so habe ich mich auch sehr darüber gefreut, aber leider ist sie noch gar nicht in richtigen Gang gekommen Wilhelm hat sich am Sontag damit abgewählt aber keine Naht zu Stande gebracht, auch Montag ging es noch nicht, gestern endlich nach allen
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möglichen Verstellungen der Maschine nähte sie eine Naht in feinen [sic] Weißzeug gut, aber mit starken [sic] ging es gar nicht u. heute habe ich eine Litze an mein altes schwarzseidenes Kleid genäht, das war aber eine wahre Geduldsprobe. August hat sie in Berlin gekauft, wahrschein= lich aber nicht selbst probirt, wir hoffen daß der Fabrikant sie umtauscht u. uns eine gut regulirte dafür giebt. Wenn das nicht ist, so wird Wilhelm sie ja wohl noch kuriren. Ida hat schon allerlei Arbeiten für die Maschine aufgeschoben u. ist sehr enttäuscht, daß sie das nicht gleich alles hat nähen können. Sie kann gar nicht damit nähen u. die Geduld die ich damit ge= habt habe wird sie auch schwerlich entwickeln. Von Emma habe ich zu meinen [sic] Geburtstag auch wieder einen Brief erhalten, sie schrieb sehr glücklich, daß es ihr so gut gegangen u. auch die Kleine sich so gut befand. Sie ist vor ihrer Niederkunft sehr leidend gewesen, was sie mir, um mich nicht zu beunruhigen, nicht ge= schrieben hat. Daß ihre Schwägerin bei ihr war ist ihr eine große Erleichterung u. Annehm= lichkeit gewesen. Ich bin so froh, daß ich die Sorge um sie jetzt los bin, möge Gott geben, daß es ferner gut mit ihr geht. Von der Tante Anna habe ich durch Frl. v. Müller auch Nachricht erhalten, sie dankt Dir herzlich für die griechische Reise= beschreibung die sie mit großen [sic] Vergnügen ge= lesen, sie wünscht Dir Glück zu dem vortreffli= chen Gelingen der Uebersetzung u. spendet Dei= nen [sic] Mann ebenso viel Lob, indem sie sagt, daß man beim Lesen derselben, nicht glaube ein Buch zu lesen, sondern vielmehr die Reise
