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Gotha, den 19ten März 1862
Meine liebe Maria!
Zuerst meinen allerherzlichsten Dank für Deinen u. Deines lieben Mannes Briefe die ich zu meiner großen Freude auf meinen [sic] Geburtstagstisch fand, sie enthielten so viel gute Wünsche für mich u. waren, da ich Euch nun doch nicht selbst hier haben konnte ein Trost dafür. Aber auch über die andern guten Nach= richten, die sie enthielten habe ich mich sehr ge= freut, wie froh war ich über die liebe Lilian wieder ganz beruhigt sein zu können, ich hatte mich bei der Nachricht ihrer Krankheit doch sehr um sie geängstet u. fühlte recht tief in Euere Seele hinein, welche Sorge Ihr um sie gehabt habt. Gott sei Dank, daß sie so bald wieder genesen. Es war wohl ein Glück, daß Ihr gleich einen bewährten Arzt haben konntet u. es freut mich, daß Ihr einen homäopathischen ge= nommen habt. Ueber Deine Augen mache ich mir viel Sorge, Du musst sie ja so viel wie möglich schonen, in das Theater zu gehen war freilich unvorsichtig von Dir. Ueber Deines lieben Man=
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selbst zu machen. Mit ihrer Gesundheit [strikethrough:] so [/strikethrough] scheint es nicht besser zu sein, Frl. v. M. sagt, daß die Aerzte an keine Genesung glaubten, die Tan= te aber selbst immer noch hoffte durch die Energie mit der sie die Krankheit trägt, zu überwinden. Im May geht sie wieder in das Bad von Saxon, das sie im Herbst noch einmal besu= chen soll. Den 1ten April wird August Hen= sel von hier weggehen, er geht 4 Wochen nach Hause, ehe er zu Repsold kommt. August erwar= te ich nächste Woche, die Collegia werden jetzt geschlossen, ich bin so froh, daß er nun hier bleibt. Ueber die Siege die die Union errun= gen hat haben wir uns außerordentlich ge= freut u. sind jetzt selbst der Meinung, daß der Krieg bald zu Ende sein muß. Heute haben wir in der Zeitung gelesen, daß das Heer am Potamack [sic] nach den [sic] Kriegsschauplatz aufge= brochen ist, wir denken dabei mit Sorge an Fritz, möge Gott ihn schützen! Von der Auf= lösung des Abgeordnetenhauses in Berlin, wer= det ihr wohl in den Zeitungen gelesen haben was soll man von einen [sic] solchen König den= ken! er hat sich selbst den größten Schaden da= mit gethan u. das Gegentheil, von dem was er wollte damit bezweckt. Ich hoffe sehr auf die Antwort des Briefes, in welchen [sic] ich Dich frag= te, ob ich Euch wohl eine kleine Kiste mit dem Schiff schicken sollte, ich würde es ohne Bedenken thuen, wenn ich nur wüßte ob Ihr nicht die Ausga= be des Zoll's scheuet, die Fracht kann ich hier bezahlen. Ich bewundere Lilian's Geschicklichkeit im Aufkle= ben der Bilder, u. weiß gar nicht, wie die kleinen Fingerchen das zu Stande bringen. Wenn der Brief
[text on top of page 1, written upside down:] nicht zu schwer wird, lege ich ihr einige papierpup= pen ein, im nächsten Brief soll sie einen Bilderbogen haben. Wir haben seit einigen Wochen wunderschönes Wetter gehabt, die Schneeglöckchen im Garten stehen in voller Blüthe, gerne hätte ich einige beigelegt, aber der Brief ist heute zu schwer. Der liebe Vater u. Ida u. Wilhelm grüßen Euch herzlich. Deinen lieben Mann, Deinen Schwiegereltern u. Geschwistern sende ich die freundlichsten Grüße. An die armen Stoddard's denke ich oft mit innigster Theilnahme. So leb denn wohl meine liebe Maria, Gott behüte Euch alle! Mit der herzlichsten Liebe Deine Mutter. [/text on top of page 1, written upside down]
[text on top of page 3, written upside down:] Für die Grüße von Jog's danke ich u. erwiedere sie freundlichst. [/text on top of page 3, written upside down]
[text at margin of page 1:] Viele, viele Grüße von Deiner Schwester Ida. [/text at margin of page 1]
