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Gotha, den 19ten Februar 1862
Meine liebe Maria!
Mit großer Sehnsucht hoffe ich auf einen Brief von Dir, da schon 3 Wochen wieder vergangen sind, seit ich den letzten erhielt, so fürchte ich daß Deine Augen Dich vom Schreiben abgehalten haben u. mache mir viel Sorge um dieselben, da es ge= rade der Augennerf ist, der leidet, so bin ich um so ängstlicher dabei. Wie geht es denn sonst mit Deiner Gesundheit? u. was macht Lilian, hat sie sich den Winter über gut gehalten? Hier sind viele Menschen u. Kinder krank ge= wesen, obgleich wir im Ganzen einen schönen Winter gehabt haben, so ist er doch ungesund ge= wesen, der Wechsel von der Wärme zur Kälte war freilich immer sehr schroff. Auch die kleine Lina ist sehr krank gewesen, nach dem was Emma darüber schreibt, vermuthe ich, daß es eine Lungenent= zündung gewesen ist, in der ersten Nacht ihrer Krankheit haben sie den Arzt zweimal holen müssen. Nach der letzten Nachricht, die ich habe, hatte sie eben das Bett wieder verlassen, war aber so schwach, daß sie geführt werden musste. Ich habe doppelten Kummer darüber gehabt, einmal um das arme Kind, u. dann um Emma, der die Pflege jetzt
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ist, auf diesen gehen sie nach Masawa, dort soll die Herzogin mit den [sic] Reuterschen Paar bleiben u. unter Zelten wohnen, während der Herzog mit den [sic] andern Gefolge nach den Bakasländern oder Gebirgen geht um nach Löwen u. Elefanten zu jagen. Erst auf der Rückreise, im May, wollen sie die Merkwürdigkeiten Aegyptens besehen. Der Herzog geht zu einer Zeit fort, wo es in Deutschland recht bunt aus= sieht u. man nicht weiß, was die Zukunft bringen würde. Oestreich u. Preußen haben jetzt Noten in Bezug auf die Reform des Bundestages gewechselt, die nicht freundschaftlich sind, in Churhessen hofft man daß Preußen den Uebergriffen der Regie= rung durch militärische Besetzung den Ziel setzen wird u. leider ist von der preußischen Regierung selbst kein thatkräftiges Handeln zu erwarten. In den Kammern sind einige, die mit freien [sic] Muth u. Kraft für Verbesserung der Zustände zu sprechen wissen, aber werden sie durchdringen? wie man den König in letzter Zeit hat kennen lernen, ist nicht viel von ihm zu erwarten. Bei dem letzten Ordensfest im Januar, sind nur an Militärs Orden verliehen worden, daraus kann man schließen, welchen Einfluß diese auf ihn ausüben, oder auch welchen Vor= zug er diesen giebt. Wir sehen wieder mit großer Spannung neueren Kriegsnachrichten von Ame= rika entgegen, diese Woche brachte das Tage= blatt zwei Nachrichten, nach welchen der Süden Friedensvorschläge gemacht haben sollte, da ich sie aber noch in keiner andern Zeitung gefunden, so traue ich ihnen nicht viel Wahrheit zu. Es ist merkwürdig, daß auch in Amerika so viele Ueberschwemmungen gewesen sind, in Deutschland haben sie ungeheueren Schaden angerichtet u. die Noth ist
