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Gotha, den 18ten December 1861.
Meine liebe Maria!
Diese Zeilen werden hoffentlich in den ersten Tagen des neuen Jahres in Deine Hände kommen, darum will ich Dir zuerst meine besten Glückwün= sche für dasselbe zurufen, möge der allgütige Gott Dich u. die Deinen auch ferner behüten u. seinen reichsten Segen über Euch walten lassen. Möge er geben, daß der Friede in diesem neuen Jahre wieder in Euer Land zurückkehre u. mit ihm ei= ne glückliche, sorgenfreie Zeit für Euch alle! Meine Gedanken weilen jetzt mehr als je bei Euch u. täglich bitte ich Gott, daß er Euch in dieser schweren, aufregenden Zeit, behüten, daß er Euch gesund erhalten u. Euch an Geist stärken mö= ge um das Trübe, was der Krieg vielleicht noch für Euch bringt mit Ruhe u. Ergebung tragen zu können. Wenn ich daran denke, daß die Sorge um die politischen Ereignisse schwer auf Eueren Herzen liegt, so ist immer Lilian mein [Trost?] ihr liebliches Wesen, ihre schelmischen Einfälle müssen Euch aufheitern u. Euch viele Freu= de gewähren. Auch in dieser Weihnachtszeit, die Ihr dieses Jahr wahrscheinlich recht stille verle= ben werdet, ist mein Trost, ihre kindliche Freu= de über den Weihnachtsbaum u. ihre Puppen
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die östreichischen Gerichte haben keine Rücksicht da= rauf genommen. In der Broschüre werden auch zwei Briefe vom König von Preußen veröffentlicht, die er noch 1848 an den Herzog geschrieben hat, die jenen sehr blos stellen. Ueber die Wahlen in Preußen die der Kreuzzeitungsparthei eine gänzliche Nie= derlage bereitet haben, soll der König sehr unzu= frieden sein, er hat sich zweimal öffentlich darü= ber geäußert, wodurch die guten Hoffnungen, die man von seiner Regierung hegte, sehr herabgestimmt werden. Wilhelm ist gestern Nachmittag nach Wien abgereist, vor Neujahr will er wieder zurück sein. Er hat schreckliches Reisewetter, es regnet unaufhörlich u. die Luft ist kalt. Seine Braut der er es auf unsere drin= genden Vorstellungen, erst vorgestern geschrieben hat, daß er kommt, wird sehr überrascht sein. Ich war, so sehr ich beiden das Wiedersehen gönne, doch nicht ganz damit zufrieden, daß er jetzt reiste, die Zeit, die er bleiben kann ist gar zu kurz für die theuere Rei= se, die er in einem Jahre nun schon zum zweiten mal macht. Ich habe Ihr ein Album mit unseren Photo= graphien, an denen noch die Eurigen, Wagners u. die von Geheimrath Brauns fehlen, geschickt u. denke, daß sie sich sehr darüber freuen wird. Der Onkel Bufleb war nicht zu bewegen, sich photographi= ren zu lassen. Der Onkel Braun hat sich wieder ziem= lich erholt, ich habe ihn seit ich Dir neulich schrieb, nicht wieder gesehen aber er soll ziemlich munter sein. Durch die Tante Natalie habe ich erfahren, daß Eduard M. schon früher, wie Brauns noch in Bernburg lebten, seine Schwestern um eine Summe gebeten hat, sie sie ihm aber damals nicht geben konnten, oder wollten, u. deßhalb wird er sich wohl nicht wie= der haben an sie wenden wollen. Sie sind sehr betrübt über seine ungünstigen Verhältnisse. Wenn nur der Wechsel noch zeitig genug kommt, um ihm helfen zu können.
[text on top of page 1, written upside down:] 10 Exemplare Deiner Griechischen Reise habe ich vorige Woche erhalten, eines davon habe ich gleich zur Besorgung an Wetter = mann Thienemann zuge= schickt u. eines habe ich genommen, es wird uns [wie?] angenehm Abendunter= haltung bieten, vielen Dank dafür. Noch habe ich vergessen zu schrei= ben, daß ich Lili 2 rt auf die Spaarkasse thuen werde u. wenn meine Casse einmal wieder voller ist, wie jetzt, werde ich ihr noch einen silbernen Löffel nachträglich kaufen. Auch Du liebe Maria sollst später noch ein Weihnachtsgeschenk erhalten, ich werde sobald ich es habe Geld zu einem schwarz seidenen Kleid für Dich zu= rücklegen . Nun noch die herzlichsten Grüße u. Glückwünsche zum neuen Jahr für Deinen lieben Mann, Deine [/text on top of page 1, written upside down]
[text at bottom of page 1, written upside down:] Schwiegereltern u. Geschwister. Lili einen herzlichen Kuß. Vom lie= ben Vater die besten Grüße u. Wünsche zum einen glücklichen Neujahr. Gott behüte Euch. Mit der herzlichsten Liebe Deine Mutter. [/text at bottom of page 1, written upside down]
[text on top of page 3 and 2, written upside down:] Frau von Holzendorff hat mich schon einige Mal um Dein u. Deines Mannes Photographie bitten lassen. [/text on top of page 3 and 2, written upside down]
