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Transcribe Page - Lina Hansen to Marie Hansen Taylor, October 2, 1861

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[page 1, right-hand side of sheet 1]

Gotha, den 2ten Oktober 1861

Meine liebe Maria!

Vorgestern erhielt ich dann endlich Deinen lieben Brief mit der so heiß von mir ersehn= ten Nachricht Euerer glücklichen Ankunft in Neu-York. Was für eine schwere Zeit ist es doch allemal nach Euerer Abreise bis zur Ankunft des ersten Briefes! Hoffnung u. Furcht wechseln miteinander u. wenn die Zeit kommt, wo man eine Nachricht haben könnte, dann steigert sich die Sorge von Tag zu Tag, so ging es mir in der letzten Woche, es waren Nachrichten in den Zeitungen vom 11ten u. 15ten Sept. aus Neu-York u. immer noch kam kein Brief, das ängstigte u. quälte mich schrecklich, obgleich ich die Hoffnung, daß Ihr glücklich angekommen sein würdet nicht auf= gab. Mit unendlicher Freude erblickte ich das Couvert mit Deinen Schriftzügen u. unter Thränen der Dankbarkeit u. Sehnsucht ha= be ich Deine lieben Zeilen durchlesen, aufs innigste dankte ich Gott, daß Ihr diese weite beschwerliche Reise wieder glücklich überstan= den hattet. Die häßliche Seekrankheit erschwert die Reise doch gar zu sehr u. unendlich leid

[page 4, left-hand side of sheet 1]

sind. Richard Freitag hat sie ihm zur Besor= gung übergeben u. kann nicht erfahren was aus ihnen geworden ist. Ida war gestern Abend bei Hopf's zum Ball u. hat sich sehr gut amüsirt, erst 1/4 nach 3 Uhr kam sie zu Hause. Ich freue mich immer, wenn sie einmal tanzt, gewöhnlich will sie ja gar nichts von Bällen wissen. August hat auch die Lust zum Tanzen schon verloren, er hätte seine Reise recht gut aufschieben u. zu Hopfs gehen können, aber dazu war er nicht zu be= wegen. Wir haben in dieser Woche wieder herr= liches Wetter gehabt, am 1ten Oktober war es un= vergleichlich schön, so schön, daß Onkel Braun seinen Geburtstag auf dem Wald verlebt hat. Wir wohnen noch immer im Gartenzimmer, so lange das Wetter noch so warm ist, genießen wir es freilich dadurch auch mehr, als wenn wir schon oben wohnten, mir kommt es jetzt oben u. unten ungemüthlich vor unten ist es düster sobald die Sonne weg ist u. oben ist es so groß u. leer, es ist mir immer als wäre ich gar nicht zu Hause, ein unangenehmes Gefühl, es kann doch nur von der schrecklichen Stille, die wir haben, herkommen. Der Vater wohnt noch in der Bibliothek, so sind Ida u. ich in den 5 Zimmern die einzigen Personen, oft bin ich ja auch ganz allein, des Nachmittags setze ich mich oft in den Saal, wo ich wenigstens eine freie Aussicht habe. Ich ha= be mir vorgenommen mehr auszugehen, aber ich kann es doch nicht, ich bin nicht kräftig genug dazu. Meine Californische Reise hast Du wohl mitgenommen, ich entbehre sie sehr unger= ne. Doch nun muß ich schließen, liebe Maria, küsse mir mei= ne liebe Lilian recht innig u. sage ihr daß die Großmutter in Gotha sich sehr darüber gefreut hätte, daß sie so ein gutes Kind auf der Reise gewesen sei. Deinen lieben Mann, Schwiegereltern u. Annie u. Emma grüße recht herzlich von uns allen, der liebe Vater sendet Dir die besten Grüße auch die Geschwister. Ich sehne mich sehr nach einer weitern Nachricht von Euch. Möge Euch Gott behüten! Mit der herzlichsten Liebe Deine Mutter.

[text on top of page 1, written upside down:] Da in den Zeitungen Nachrichten vom 24 Sept aus Neu-York wa= ren, so ließ ich meinen Brief noch liegen, in der Hoffnung mit demselben Schiff einen von Dir zu erhalten, da er aber bis heute Abend d. 6ten Okt. nicht gekommen ist, so muß er doch fort. Wir sind so sehr gespannt von Euch zu erfahren, wie Ihr es in Bezug auf den Krieg gefunden habt u. wie es Fritz geht. Die Zeitungsnachrichten lauten nicht gün= stig für die Union u. gehen aber auch durcheinander, ich kümmere mich viel um Euch. Alle Verwandte u. Bekannte haben sich sehr ge= freut, daß Ihr glücklich hinge= kommen seid. Geheimrath Brauns ganz besonders, Natalie hat vielmal nachgefragt ob Nachricht von Euch da sei. [/text on top of page 1, written upside down]

[text on top of page 2 and 3, written upside down:] Onkel Braun hat gestern Wilhelms Fabrik besucht u. ist ganz entzückt davon, er sagt Wilhelm unglaubliches in dieser kurzen Zeit geleistet. Der gute Vater hat auch viel Freude daran, fast jeden Tag geht er dahin. Meine beiden vorhergehenden Briefe wirst Du hoffentlich erhalten haben. [/text on top of page 2 and 3, written upside down]

[text at bottom of page 2 and 3, written upside down:] Es war heute d. 6te ein wundervoller Tag, Ida u. Wilhelm sind diesen Morgen um 7 Uhr mit der Eisenbahn nach Salzungen gegangen, um 8 Uhr erwarte ich sie zurück u. Geheimraths hatten mich u. den Vater mit auf die Mühle bei Rainhardtsbrunnen genommen wo wir Kaffee tranken. Es war herrlich dort ich habe Euerer viel gedacht, auch Emma's, heute ist Peters Geburtstag. [/text at bottom of page 2 and 3, written upside down]


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