http://germanletters.org/plugins/Dropbox/files/Taylor_0216_0002.jpg - image of
« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
Current Page Transcription
[page 2, left-hand side of sheet 2]
Nachricht länger ausbleibt, wie gewöhn= lich, so steigerte sich unsere Sorge immer mehr u. mehr, als endlich vorgestern Dein lang ersehnter Brief ankam, war ich unendlich froh keine schlechteren Nachrichten zu erhalten u. hielt die Hoffnung fest daß Ihr noch zur bestimmten Zeit kommen würdet, obgleich die andern daran zweifelten. Euere gestern erhal= tenen Briefe haben uns ja nun Gewißheit darü= ber gebracht, diese ist immer leichter zu tragen, als ein unbestimmtes Hoffen u. ich danke nur Gott daß Ihr nicht unmittelbar von den schrecklichen Ereig= nissen berührt werdet u. außer Gefahr seid. Daß Deine guten Schwiegereltern zwei Söhne nach dem Kriegsschauplatz mussten ziehen lassen geht mir sehr nahe ans Herz u. erregt meine innigste Theilnahme für sie, möge Gott sie ihnen glücklich zurückführen! Sehr schlimm ist es, daß der Norden mit so vieler Verätherei zu kämpfen hat, das wir [sic] ihm den Sieg sehr erschweren u. lässt uns fürchten, daß dieser nicht so bald errun= gen werden wird. Auf einen Aufstand der Skla= ven haben auch wir unsere Hoffnung gesetzt, aber wie viel blutige Schreckenstage wird dieser über das unglückliche Land bringen.
Seit ich Dir das letzte mal schrieb, ist uns die Zeit, in der frohen Hoffnung auf Euere baldige Ankunft ziemlich schnell vergangen, ich habe im Hause viel rein, putzen u. schön machen lassen, damit Ihr es recht behaglich bei uns finden möchtet, in der nächsten Woche sollte alles zu Euerem Empfang fertig werden, ich weiß selbst nicht, wa= rum ich mir gedacht hatte, daß Ihr zu Pfingsten schon hier sein könntet, was man wünscht, das hofft man so
[page 3, right-hand side of sheet 2]
leicht u. gerne. Seit einigen Wochen ist es nun auch entschieden, daß Emma mit den Kindern auf einige Monate hierher kommen wird, Wagner kann leider nicht abkommen aber er lässt Emma gerne reisen. Der gute Vater giebt ihr ei= nen Theil des Reisegeldes, dadurch wird ihr die Reise möglich. Wir sind sehr glücklich darüber sie mit den Kindern hier zu sehen u. freuen uns für Emma aus tiefster Seele, daß sie einmal aus ihren [sic] stillen, den Geist erschlaffenden Leben, herauskommt, sie wird ihn hier erfrischen u. das wird eine wohlthätige Wirkung auf längere Zeit für sie haben. Ich fürchte nur, daß die Reise ohne ihren Mann sehr beschwerlich für sie werden wird. Ihr letzter Brief brachte mir keine gute Nachricht über den kleinen Peter, im Winter hatte er schon länger als 3 Monate einen Ausschlag im Gesicht u. am Kopfe gehabt, dieser war nun ganz abgeheilt, u. vorige Woche bekommt er plötzlich sehr heftiges Fieber u. dabei wieder einen starken Ausschlag mit kleinen Bläschen. Wie ich das las, erschrak ich u. fürchtete, daß es Plattern sein könnten, aber Madlung beruhigt mich darüber u. es ein Aus= schlag sei, der öfter bei kleinen Kindern vorkäme. Ich bin nur froh, daß sie jetzt einen Arzt haben, zu den [sic] Emma Zutrauen zu haben scheint. Wilhelm ist schon seit fast 3 Wochen nicht hier, er ging zuerst nach Magdeburg, Chemnitz u. Nürnberg um Maschinen zu besichtigen u. für seine Werkstatt zu bestellen u. dann nach Wien um seine Braut zu besuchen. Nur einen sehr kurzen Brief habe ich von ihm erhalten, der mir nichts weiter sagt, als daß seine Ida noch schmäler aussähe, als wie er sie vorigen Herbst verlas=
