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Gotha, den 9ten May 1861
Meine liebe Maria!
Vorgestern u. gestern habe ich Deine Briefe erhalten, die uns leider sehr betrübende Nachrich= ten brachten. Für das Erste suche ich mein Herz da= durch zu erleichtern, daß ich Dir sage, Du sollst Dich meinetwegen beruhigen, ich habe gelernt, mit Er= gebung zu tragen, was Gott über uns schickt u. Dir zu versichern, daß ich es vollkommen billi= ge daß Ihr Euere Reise aufgeschoben habt u. daß Du ganz in meinen [sic] Sinn gehandelt hast, indem Du Deinen [sic] lieben Mann die jetzige schwere Zeit da= durch erleichtert hast, daß Du die Abreise zu der dazu bestimmten Zeit aufgabst. Wie schwer es mir ist, daß die Freude des Wiedersehens, zu der wir schon die Tage zählten, nun wieder in die Ferne gerückt ist, brauche ich Dir nicht zu sagen, Du weißt es, liebe Maria, eben so wenig, wie warmen Antheil wir an Eueren traurigen Verhältnissen nehmen. Schon seit mehreren Wochen haben wir mit gro= ßer Sorge die Zeitungsnachrichten aus Amerika ge= lesen, noch nie habe ich so auf die Zeitungen gehofft u. sie durchlesen, wie jetzt, u. wie nun auch von Dir eine
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sen, daß er sehr schlechtes kaltes Wetter ge= habt u. daß sein Husten dabei nicht besser geworden sei. Der Husten macht mir Sorge, da er sehr abgemagert dabei ist, nun ist freilich seit einigen Wochen daß Wetter auch bei uns so kalt, daß man sich nicht dabei von einer Erkältung u. andern Beschwerden erho= len kann, ich hoffe unbeschreiblich auf warmes Wetter, die Tage sind heiter aber die Luft empfindlich kalt. Daß Ida Hornbostel noch schmäler geworden ist kümmert mich auch, diese Woche zieht sie mit ihrer Mutter ins Gebirge, möchte doch die Luft da ihr wohl thuen. Es ist nur noch zu früh, denn auch in Wien hat Schnee auf den Dächern gelegen. Nächste Woche erwarte ich Wilhelm zurück. August ist seit einigen Wochen in Berlin u. hört dort Vorlesungen an der Universität u. den [sic] Ge= werbeinstitut, seinen Briefen nach geht es ihm gut, möchte er doch nur recht fleißig studiren, die pracktischen Beschäftigungen zog er immer jenen vor. Daß die ar= me kleine Lilian immer noch Husten hat, thut mir sehr leid, ich meinte den hätte sie längst abgeschüttelt, die Seeluft wird gut für sie sein, mag nur Gott geben, daß es Euch noch möglich wird zu kommen. Wir sehen mit der größten Sehnsucht weitern Nachrichten entgegen. Buflebs haben natürlich mit dem größten Interesse u. Theilnahme die Nachrichten empfangen, der Onkel Bufleb hat schon oft gesagt, daß Ihr wohl gar nicht kommen würdet, ich will aber die Hoff= nung nicht fahren lassen. Diesen Brief schickte ich über England u. nächsten Mittwoch wird ein Brief von Ida von Hamburg abgehen, wenn der eine nicht ankommt, so wird es der andere doch. Der liebe Vater u. Ida lassen Euch herzlich grüßen, lieb Lilian gieb einen herz= lichen Kuß von mir u. Deinen lieben Schwiegereltern versichere meine innigste Theilnahme an den sie so nahe be= rührenden Verhältnissen. Gott behüte Euch! Mit der herzlichsten Liebe Deine Mutter.
[text on top of page 1, written upside down:] Für Deine Schwiegermutter habe ich das kleine Zimmer, in welchen [sic] Ida u. Hannchen Schumacher schliefen, eingerichtet, es ist nicht groß, aber sehr freundlich. [/text on top of page, written upside down]
