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hat die arme Emma bei der Entbindung eine sehr schwere Stunde gehabt. Gott sei Dank, daß sie sie glücklich überstanden hat! sie schreibt sehr glück= selig darüber, daß ihr Gott einen Sohn geschenkt wo= durch ihr schmerzlicher Verlust wieder ersetzt worden ist. An ihrer Ida hat sie eine sehr gute Pflege gehabt, was mir ein großer Trost ist, denn viele Sorge habe ich mir darum gemacht, daß ich keine erfahrene Wartfrau bei ihr wußte. Der Kleine soll sehr fromm u. gut sein, erst eine einzige Nacht war er einmal ein paar Stunden munter gewesen u. diesen [sic] Umstand hat Emma wohl hauptsächlich zu verdanken, daß sie sich so bald wieder erholt hat. Die Struwe u. Bettchen haben ihr die Sorge um Wagner ganz dadurch abgenommen, das er, so lange Emma zu Bette lag abwechselnd bei ihnen zu Mittag gegessen hat. Ich danke Gott innig daß es so gut mit ihr gegangen u. bitte ihn, daß sie so wohl blei= ben u. der Kleine gesund u. kräftig bleiben möge. Es war wirklich eine Wohlthat für mich, daß nach so langer, langer Zeit mir daß Herz einmal sorgen= freier sein konnte. Wilhelms fatale Angelegenheit liegt mir freilich immer noch schwer genug im Sinn, er ist seit Montag in Berlin um endlich zum Abschluß damit zu kommen. Ich fürchte sehr, daß er genöthigt sein wird Siemens zu verklagen, es handelt sich
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jetzt nicht allein um die 3000 rt die er weniger bekommen soll, sondern auch eine Ehrensache für ihn geworden, durch den sehr häßlichen Brief welchen Siemens an ihn geschrieben hat. Wie wehe es mir ist, daß er nach der schweren Zeit, die er durch= lebt, nun auch noch mit solchen Widerwärtigkeiten zu kämpfen hat, wirst Du wohl begreifen, liebe Ma= ria, seine Gesundheit kann sich natürlich dabei auch nicht so kräftigen wie es sonst vielleicht der Fall wäre, indeß müssen wir in dieser Beziehung schon zufrieden sein, daß er sich so wieder erholt hat. Um Ida Hornbostel mache ich mir viel Sorge, ihre Gesundheit scheint sehr durch den anhaltenden Kummer gelitten zu haben u. die neuen Widerwärtigkeiten mit de= nen Wilhelm zu kämpfen hat werden nicht zu ihrer Er= holung beitragen. In diesen Tagen hat mich zuweilen eine wahre Angst um sie erfasst, da ein Brief von ihr ungewöhnlich lange ausblieb, ich fürchte sie ist wieder bettlägerig gewesen. Deinen lieben Brief vom 25ten Septemb. habe ich vorige Woche erhalten u. mich über alle Deine Mittheilungen sehr gefreut, besonders aber alles, was Du mir von der lieben Lilian schreibst, wie freue ich mich darauf sie kennen zu lernen, jetzt zähle ich die Mo- nate bis dahin u. wenn Neujahr, was ja nicht mehr fern, vorüber ist, werde ich schon nur Wochen zählen, es wird ei= ne herrliche Zeit werden. So sehr ich mich darauf freue, so oft fährt mir auch der Gedanke an die darauf folgen= de Trennung wieder schmerzlich durchs Herz. Traurig ist es doch so weit von einander zu leben u. den Gedanken daß wir Dich einmal besuchen könnten, musst Du u. wir
