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Gotha, den 21ten August 1860.
Meine liebe Maria!
Schon am frühen Morgen des 16. August bin ich glücklich wieder hier angekommen, gerne hätte ich Dir gleich darauf geschrieben, aber es fand schon so vieles hier im Hause vor, was ich nothwendig erst besorgen musste u. da ich immer schwach u. noch er= müdet von der Reise war, so ging es mir nicht schnell von der Hand. Deine beiden Briefe, den letzten aus Canada, habe ich erhalten u. danke Dir herzlich dafür. Da Du von Deiner Gesundheit nichts erwähnst u. auf der Reise so beschwerliche Turen aus= führen kannst, so muß es Dir wohl gut gehen, wo= rüber ich mich sehr freue, ich habe mir viel Sor= ge um Dich gemacht u. danke Gott herzlich, daß diese von mir genommen ist. Ein sorgenvolleres Jahr, wie das seit vorigen [sic] Sommer, bis jetzt verflosse= ne, habe ich wohl noch nicht verlebt, hätte nicht ein festes Gottvertrauen u. der Glaube, daß alles was er über uns schickt gut sein u. mit Ergebung getragen werden muß, mich gehalten, so wäre ich wohl dem Kummer unterlegen. Ich habe in dieser schweren Zeit oft erkannt u. empfunden, daß nur das innige Gebet zu Gott uns Trost u. Stärke geben kann. Wilhelm ist nun, Gott sei Dank! wieder in Wien angelangt, von dort hat er, am 14ten August,
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Seereise im höchsten Grad zuwider. Die Trennung von Wagners wurde mir entsetzlich schwer, ich fühlte das Schicksal, das meine Kinder so weit von mir fortgeführt hat, von neuem doppelt hart auf mir liegen. Emma u. Wagner begleiteten uns bis Kron= stadt, die liebe Lina war leider den Tag vor unserer Abreise krank geworden, bei unserer Abreise war sie zwar wieder viel besser, aber die Trennung wurde mir dadurch doch noch um vieles schwerer. Den 3ten Tag nach meiner Ankunft hier, erhielt ich schon einen Brief von Emma, in welchen [sic] sie mir schreibt, daß Lina wieder ganz munter sei. Sie schlief als wir wegfuhren, bei ihrem Erwachen hat sie nicht glauben wollen, daß wir fort wären u. immer wieder gesagt die Omama aus Gotha sollte kommen. Ich sehne mich gar zu oft nach dem lieblichen Kinde, das sich so innig an mich angeschlos= sen hatte. Emma's Wunsch uns einmal wieder besuchen zu können ist unendlich groß, sie hat eine schwache Hoffnung, daß Wagner im nächsten Sommer nach Paris geschickt wird u. wenn das geschieht, so wird sie zu uns kommen, was für eine große Freude würde das für uns alle sein! Ich fange nun schon an die Monate abzuzählen, die noch hingehen, ehe wir die große Freude haben werden Euch wieder bei uns zu sehen, Ida u. ich sprechen schon so oft davon. An den schönen Geschenken, die ihr uns geschickt, habe ich mich nun jetzt erst von neuem wieder so recht erfreuet, die herrlichen Gemälde hatte ich nur erst so ganz flüchtig gesehen, sie sind ganz herrlich u. machen mir sehr große Freude, sobald sich meine Kasse, die jetzt sehr leer ist, wieder etwas füllen wird, werde ich sie mir einrahmen lassen.
[text on top of page 1, written upside down:] Heute war Argelander aus Bonn hier, auch er fand die Mondphothographien vortrefflich, der Vater ist sehr stolz darauf sie zu besitzen, er trug mir auf Dir [?] noch zu schreiben. [/text on top of page 1, written upside down]
