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ten haben, es muß wol einer verloren ge= gangen sein u. ich vermuthe fast, daß dieß in Wien, wo die Briefe oft nicht ankommen, geschehen ist. Ich erhielt diese Woche einen sehr trostlosen Brief von seiner armen Braut, die sich ebenso sehr, wie wir um ihn geängstigt hat, die Nachricht von voriger Woche hatte ich ihr schon mitgetheilt, aber sie schien ihr nicht viel Be= ruhigung gebracht zu haben, diese letzte, hoffe ich aber, wird das thuen u. ihr neuen Muth u. Hoffnung geben. Sie wohnt jetzt im Gebirge bei Wien u. um so mehr ist zu befürchten, daß ein Brief nicht abgegeben worden ist. Unsere Reise hatten wir ganz aufgegeben, mir war es ganz unmöglich da= ran zu denken u. auch der Vater meinte ich solle nicht fort= gehen, ehe Nachricht von Wilhelm da sei. Nun aber nach dieser letzten Nachricht habe ich mich denn entschlossen noch nächsten Mitt= woch, den 28ten abzureisen, ich werde dann zurück sein, ehe Wilhelm hierher kommt. August wird mit uns gehen, er hat so viel auf der Spaarkasse, daß er die Reise machen kann u. mir ist es eine große Beruhigung ihn mit zu haben, den ich habe nicht mehr die Kraft in mir wie früher, wenn mein Kopfweh kommt, so bin ich nicht Herr über meine Gedanken u. eigentlich zu allem ganz unfähig. Ich fürchte mich sehr vor der Reise u. nur Emma u. Ida's wegen habe ich mich zu derselben entschlossen, vielleicht trägt sie doch auch dazu bei, daß ich mich wieder mehr erhole. Es wird mir nur sehr schwer den lieben Vater zu verlassen u. deßhalb wird mir das Herz immer schwerer, je näher die Abreise rückt. Kürzlich habe ich Nachricht von der Tante Anna durch Frl v. Müller erhalten, sie schickte mir meines Vaters u. Emils Trauring von seiner ersten Frau u. das Bildchen vom Vater, das Petschaft hatte sie nicht gefun= den. Die Tante hatte die letzte Operation besser wie die frühere überstan= den u. war im Begriff in ein Bad in der französischen Schweiz zu gehen, wo sie bis im Oktober bleiben wollte. Louèche im Canton Valais heißt das Bad. Sie lässt Dich herzlich grüßen. Mehr kann ich dieß= mal nicht schreiben, liebe Maria, die Zeit ist mir sehr knapp u. ich habe so viele Aufträge von Emma bekommen, die ich bis jetzt noch nicht besorgt, da ich nicht wußte
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Emma zählt schon die Tage bis zu unserer Abreise u. hat mir geschrieben, daß den 30ten Juny das Postschiff von Stettin abginge, mit welchem ich gehen müsse, Grüße Deinen lieben Mann aufs herzlichste von uns, auch seine Eltern u. Ge= schwister, an die Tante werde ich selbst noch einige Zeilen schreiben, die ich bitte ihr an ihrem Geburtstag zu geben. Der gute Vater u. August senden ihre herz= lichsten Grüße für Euch alle. Lilian gieb einen herzinnigen Kuß. Möge Gott Euch behüten! Mit der herzlichsten Liebe Deine Mutter.
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Von der Tante Anna habe ich noch nichts wieder gehört, ich denke oft daran wie es ihr wohl gehen mag.
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Wir haben einen sehr kalten Sommer, ich habe noch fast gar nicht im F[?] erwarten wir einen Brief u. hoffen, daß sie uns viel von Lilian u. E[?]
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behüte Dich u. Euch Alle!
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