« previous page | next page » |
To rotate image, first hold down Alt and Shift keys, then drag with mouse or trackpad (Safari, Chrome & Edge only).
Current Page Transcription
[page 6]
Für die Fortsetzung der Reisebeschreibung danke ich Dir herzlich, liebe Maria, wir lesen sie immer mit großem Interesse, ich bin aber oft außer mir über Euere Wa= gehalsigkeit, über das, was Ihr Eueren Kräften zumuthet u. über Euere Kühnheit in einem so ganz fremden Lande immer auf gut Glück ohne Führer sich auf den Weg zu machen. Ich schreibe sie mit vielem Vergnügen für Emma ab, es ist aber eine große Arbeit für mich u. ich denke daran sie von Hallforth abklatschen zu lassen, da so viele sind, die sie gerne lesen wollen. August hat Ida ersucht sie für ihn abzuschreiben, sie wollte aber nichts davon wissen u. wird auch wohl nicht weit damit kommen, sie bringt zu wenig vor sich, besonders jetzt, wo sie öfter ins Theater geht u. auch oft in Gesellschaft u. dann so lange schläft, wä= re ich nicht besorgt um ihre Gesundheit, so würde ich mich diesem Spätaufstehen mit Gewalt widersetzen, aber ihr Husten macht mir in letzter Zeit wieder Kummer, sie sieht zwar sehr wohl dabei aus, ist aber doch dabei oft hinfällig. Ich habe ihr von Wislicenus Pul= ver kommen lassen, es ist aber eher schlimmer wie besser darauf gewor= den, ich würde mit ihr selbst zu ihm gefahren sein, wenn nicht das Nervenfieber so sehr schlimm in Eisenach verbreitet wäre u. sehr bösartig u. aus diesem Grunde mag ich auch W. nicht veranlassen hierher zu kommen. Mit des guten Vaters Augen geht es in Bezug auf die Sehkraft besser aber das Thränen der Augen ist sehr schlimm, er hat jetzt auch wieder angefangen von Wisl. dafür einzunehmen. Es wäre wohl ein Glück, wenn Du für A. Hensel eine Stelle verschaffen könntest ich höre er will auf jeden Fall von Milwuaki [sic] weg, weil es ihm zu schlecht dort geht. Wir haben auch sehr kaltes Wetter gehabt, der Winter war unendlich lang, jetzt aber wärmt die Sonne seit einigen Tagen u. der Himmel ist prächtig, aber die Luft noch kalt, was auch wohl so lange bleiben wird, bis die [underline] ungeheueren [/underline] Massen Schnee, die noch auf dem Walde liegen geschmolzen sind. Ich habe die Zeit über sehr an mei= nen Kopfweh zu leiden gehabt, vielleicht wird es bei besserm Wetter auch besser damit. Sind denn Deines lieben Mannes Vorlesungen noch nicht zu Ende? Grüße ihn recht herzlich von uns, auch Deine liebe Schwie= germutter u. Stoddards u. herzlichen Dank für ihre Glückwünsche. Der lieben Lilian gieb einen innigen Kuß. Geheimrath Brauns u. auch [?] senden Euch herzliche Grüße. So leb denn wohl meine liebe Maria, Gott möge Euch behüten! Mit der herzlichsten Liebe Deine Mutter.
