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Gotha, d. 18. März 1873
Meine liebste Maria!
Gerne hätte ich Dir schon gestern geschrieben aber ich war so über alle Maßen abgespannt, u. hatte auch noch zwei Briefe für den Vater zu schreiben, daß es mir unmöglich war. So nimm nun Du u. auch Dein lieber Mann zuerst meinen herzlichsten Dank für Eure lieben Briefe u. all die guten Wünsche die sie für mich enthielten. Auch den aller= besten Dank für die Schachtel mit Früchten die gestern angekommen sind, es ist gar zu gut, liebe Maria, von Dir mir sie von so weiter Ferne her zu schicken. Die Datteln sind ganz ausgezeichnet gut, so gut, wie wir nie welche gegessen, die Apfelsinen aber waren leider zu sehr eingetrocknet u. hatten dadurch an ihrem Geschmack verloren. Die Schale hat ein wun= dervolles Aroma, sie wird mancher Speise an die ich sie verwandte einen köstlichen Geschmack geben. Al= so nochmals Dir u. Deinem lieben Mann den herzlich= sten Dank für all Eure Güte u. Liebe. Vorigen Sonabend zu Mittag kam August mit seiner Fa=
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nur schien sie nicht zu wissen welchen Tag er war. August's blieben bis Anfang April, ihr Haus ha= ben sie an das Werk für 600 rt vermiethet u. nachdem wir nun Näheres über die Angelegenheit erfahren sind wir doch auch ganz damit einver= standen daß er die Stelle angenommen, er ver= bessert sich doch ganz außerordentlich in pekuniärer Beziehung u. auch bekommt er dort eine selbststän= digere Stellung. Er hofft daß Ihr ihn auf Eurer Wiener Reise besuchen werdet, sehr ab ist es nicht vom Wege u. die Gegend soll sehr schön dort sein. Es ist eine schöne Wohnung in Schwindaglowitz, so heißt der Ort wo das Werk ist, gemiethet worden, u. diesen Sommer wird ein Haus für ihn gebaut. Das Werk gehört den Grafen Henkel-Donnersmark u. nicht einer Aktiengesellschaft wie wir erst meinten u. ist dadurch die Stelle noch viel vortheilhafter für ihn. Die Kinder sind beide sehr lieb, Andreas ist ein präch= tiger Junge, den letzten Tag in Osnabrück ist er ih= nen entlaufen, zum Thore hinaus, (sie waren bei Doris Mutter) über 2 Eisenbahnen, 2 Brücken über die Haase u. 20 Minuten entfernt hinterm Kirchhof hat ihm eine Frau die in derselben Straße wohnt, begegnet u. mit zurückgenommen. Was für eine Angst sie ausgestanden kannst Du Dir wohl denken, das Kin= dermädchen hatte nicht acht auf ihn gehabt, August hat es deßhalb auch nicht mitgenommen, wie erst bestimmt war. Hier war es freilich Noth daß sie ohne Mädchen ankamen, heute ist ein Carolinenmädchen da die bis 1. April bleibt u. wahr=
[text on top of page 1, written upside down:] scheinlich wird Alwine mitgehen, sie ist in letzter Zeit viel wohler u. flinker gewesen u. ist sehr willig u. gutmü= thig zu jeder Zeit. Ohne Mädchen können sie die weite Reise nicht unternehmen. Ich muß schließen, liebste Maria, obgleich ich Dir noch recht viel sagen möchte. Herzliche Grüße von uns allen an Dich u. Deinen lieben Mann. Mit herzlichster Liebe Deine Mutter [/text on top of page 1, written upside down]
[text on top of page 4, written upside down:] Die Anemonen kamen mit den frischesten Farben an, vielen Dank dafür. [/text on top of page 4, written upside down]
