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Gotha, d. 6. März 1873
Meine liebste Maria!
Mit großer Freude u. vielem Dank habe ich Dei= ne beiden lieben Briefe von Florenz erhalten, sehr hatte ich mich schon nach Nachricht von Euch gesehnt deß= halb waren sie mir doppelt willkommen u. um so mehr noch da sie mir gute Nachrichten brachten. Sehr freute es mich daß es mit Deines lieben Mannes Befinden so viel besser ging, Ihr eine gute Reise hat= tet u. auch über Lilian so gute Nachrichten. Ich kann Dir gar nicht sagen liebe Marie, wie glücklich ich da= rüber bin daß Frl. B. sich so zufrieden über sie ge= äußert u. auch Lilian sich bei ihr wohlzufühlen scheint. Vorgestern kam ein Brief von ihr an Lina welchen sie ganz heiter geschrieben hatte, sie ließ mir sagen daß ihr die Sachen die ich ihr geschickt köstlich ge= schmeckt u. sie sich den Magen gar nicht damit verdor= ben hätte. Ich werde ihr nun Ende nächster Woche wie= der ein Päckchen schicken damit sie an meinem Ge= burtstag auch Kuchen hat. Seit ich Dir zuletzt schrieb habe ich eine sehr schwere Zeit durchlebt, der gute Va= ter war in einer so heftigen Gemüthsaufregung durch Paschens Schrift daß ich die größte Sorge um ihn hatte u. es auch recht schwer für mich war sie zu tragen. Eine ganze Woche lang hat ihn die Abfassung seiner Rechtfer= tigungsschrift die er Paschens Schreiben beilegte, beschäftigt.
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sehr bewährt, unter [?] fände sich wohl kaum eine die das alles thäte, was sie gethan. Ich konnte nicht gleich jemand zur Aushülfe haben, bis ich endlich Sophie die eben von Möllers abgegangen war, bekam. Das Mädchen das ich nun bekomme, hat mir Sophie verschafft, ich habe sie von verschiedenen andren Seiten aber auch sehr loben hören, möchte ich doch endlich einmal gut ankommen! Ida Hansen fährt nun wieder jeden Tag zum Schweden um sich von ihm behandeln zu lassen, sie hat das größte Vertrauen zu dieser Kur, so kann man nichts dabei thuen, ängstigen thue ich mich darum, wollte aber doch sehr froh sein wenn ihr damit geholfen wür= de. Fritz hat aufgehört mit der Kur, aber noch ist nichts zu merken daß er kräftiger geworden wäre er sieht so elend aus u. ist oft unwohl; eigentlich fast jede Woche eines von den Kindern in der letzten Zeit unwohl gewesen, ich weiß nicht womit sie sich immer erkälten. Ich habe in den letz= ten Wochen auch einmal sehr viel Kopfweh ge= habt u. ist mir der Magen so schwach daß ich mich immer unwohl fühle. Daß Annie Br. ihre Pflegemutter verloren, hat auch mir sehr leid gethan, ein Trost ist es daß die Tochter derselben sich ihrer so liebevoll an= genommen hat u. sie, wie es scheint, gerne behalten will. Nun muß ich aber schließen, liebste Maria, ich will noch einige Zeilen an Lilian schreiben. Der Va= ter u. ich grüßen Dich u. Deinen lieben Mann recht herzlich, möge Gott Euch behüten! Mit herzlicher Liebe Deine Mutter.
