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Gotha, den 7ten September 1872
Meine liebste Maria!
Ich war sehr erfreut vorgestern Deinen lieben Brief zu erhalten, längst hatte ich mich danach gesehnt zu erfahren ob Ihr von Bormio abgereist u. wohin Ihr gegangen. Sehr leid thut es mir daß Du so unwohl warst u. Ihr dadurch genöthigt waret Eure Abreise zu ver= schieben denn da das Wetter so schlecht war, denke ich mir den Aufenthalt dort nicht gera= de angenehm u. zuträglich für Deine Gesund= heit. Wir haben fortwährend das schönste Wetter, ich habe so vielmal gewünscht daß Ihr hier sein möchtet um es zu genießen. Die letzten 3 Tage waren sehr heiß, 25 - 26° im Schatten, aber es war doch schön u. die Abende ganz herrlich, bis gegen 10 Uhr konnten wir bei offener Thüre im Gartenzim= mer sitzen. Der Vater hat vorigen Montag wieder angefangen den Brunnen zu trinken,
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Brief noch nicht beantworten. Die Schule scheint sie anzugreifen, sie ist einmal immer recht matt u. nervös. Von Holzendorff's ist eine Einladung auf übermorgen Abend zum Ball für Euch gekommen. Ich glaube es wird der Polterabend der einen Tochter gefeiert. Eine Sendung Zeitungen u. Briefe habe ich diese Woche schon nach Lausanne für Euch abgeschickt, heute sende ich die nun angekommenen mit. Wie lange Ihr in Lausanne zu bleiben gedenket, schreibst Du noch nicht, Lilian schrieb wahr= scheinlich eine Woche, dann können wir Euch ja wohl schon bald zurückerwarten. Ich hoffe, liebe Maria, Du wirst mir bald von Lau= sanne schreiben ob Ihr Eure Reise dorthin glücklich zurückgelegt habt u. wann Ihr bei uns einzutreffen gedenket; wir freuen uns sehr auf Eure Rückkehr. Ich füge nun noch die herzlichsten Grüßen von mir u. dem Vater an Dich, Deinen lieben Mann u. Lilian bei, auch bitte ich Annie recht freundlich von mir zu grüßen. Leb wohl, liebste Ma- ria, Gott behüte Euch! Mit herzlichster Liebe Deine Mutter.
